Wer war Trelane? Auszeichnungen Banner Impressum Sitemap Links Disclaimer Gästebuch

Gyllenhaal zum Film

" The Day After Tomorrow":
Hollywood-Jungstar Jake Gyllenhaal über mangelnde Karriereplanung, das Prinzip Hoffnung und den Konkurrenzkampf mit seiner Schwester Maggie

"Es gibt Hoffnung"
Bisher zeigte Jacob Benjamin Gyllenhaal (23) sein Talent in kleinen, aber anspruchsvollen Filmen wie "Donnie Darko" oder "Moonlight Mile". Die Hauptrolle in Roland Emmerichs Katastrophenspektakel "The Day After Tomorrow" könnte dieses Image nun schlagartig ändern. Gyllenhaal kämpft darin als Sohn eines Washingtoner Klimaforschers im überfluteten Manhattan gegen die herannahende Eiszeit und entwickelt dabei ungeahnte Führungsqualitäten. Privat dagegen bleibt der Nachwuchsstar trotz des enormen Hypes gelassen und will sich über seine Zukunft nicht den Kopf zerbrechen. Wir trafen den coolen Kalifornier in Berlin.

Spielfilm.de:
Jake, Gratulation zu deinem ersten Blockbuster. Wirst du nun zum Teeniestar?
Jake Gyllenhaal:
Ich weiß nicht. Ich habe eigentlich keine Ahnung, was jetzt mit meiner Karriere passiert. Mitgemacht habe ich nur, weil ich dieses Genre gerne mag. Es gibt in jedem Schauspieler doch immer diese zwei Seiten: Einerseits willst du ernst genommen werden und solltest deine Finger lieber aus solchen Filmen raushalten. Andererseits sind sie eigentlich das Ziel deiner Träume – Blockbuster, die dich reich und berühmt machen. Ich hoffe, dass ich danach alle Filme drehen kann, auf die ich Lust habe.
Spielfilm.de:
Wurdest du nicht schon öfter für große Filmrollen angefragt?
Gyllenhaal:
Schon, aber darüber redet man als Schauspieler nie so gerne, oder? (lacht)
Spielfilm.de:
Auch nicht darüber, dass du beinahe die Hauptrolle in "Spider Man 2" bekommen hättest?
Gyllenhaal:
Ich habe schon viele Rollen beinahe bekommen. (lacht) Alles in allem hatte ich aber sehr viel Glück und kann mich nicht beklagen. Es läuft schon alles irgendwie.
Spielfilm.de:
Klingt ziemlich planlos.
Gyllenhaal:
Ich mache es wie Bill Murray. Er meinte einmal, dass er seine Karriere nie geplant hätte. Angebote kamen und gingen, und das Publikum liebt ihn so oder so. Ich könnte keinen Film drehen, der mich nicht begeistert. Wenn mich dagegen etwas fasziniert, ist es mir egal, welches Budget dahinter steckt.
Spielfilm.de:
Dein Low-Budget-Film "Donnie Darko" zum Beispiel kam in Deutschland nie in die Kinos...
Gyllenhaal:
... aber trotzdem kennen ihn hier inzwischen sehr viele Leute. Heute früh lief sogar der Abspann-Song "Mad World" im deutschen Radio. Darüber bin ich sehr froh. "The Day After Tomorrow" ist so etwas wie ein Selbstläufer. Für den Erfolg von "Donnie Darko" dagegen musste ich mich hart reinhängen. Für mich reflektiert der Film einen ganz persönlichen Abschnitt meines Lebens.
Spielfilm.de:
In deinem Alter gründen andere Hollywood-Jungstars ihre eigenen Produktionsfirmen. Hast du daran kein Interesse? Gyllenhaal:
Ich bin echt genug damit beschäftigt, mein eigenes Leben auf die Reihe zu bringen. Für mich ist das schwerer als eine Produktionsfirma zu gründen. (lacht) Außerdem fände ich es ziemlich anmaßend, jetzt schon eigene Stoffe zu entwickeln. Ich bin zwar von klein auf in dem Business aufgewachsen, aber meiner Meinung nach noch nicht reif genug für so etwas.
Spielfilm.de:
Welche Probleme beschäftigen dich?
Gyllenhaal:
Zum Beispiel mangelnde Toleranz und die Regierungen gewisser Staaten. Und was mein eigenes Leben betrifft: Jeder hat doch so seine Probleme. Es ist einfach nicht realistisch, dass trotz der guten Absichten deiner Eltern immer alles glatt läuft. Es passieren Dinge, die sie so nicht beabsichtigt haben. "Donnie Darko" behandelt übrigens genau dieses Thema. Ich kenne das Problem auch aus meiner Familie und bin gerade in einem Alter, in dem ich all das begreife. Aber es gibt Hoffnung für die Zukunft. Deswegen mag ich Rolands Film so gerne. Wenn Menschen ihre Fehler einsehen, kann es Hoffnung geben. Es muss ja nicht unbedingt ein schmalziges Happy End sein, aber zumindest eine Veränderung, ein Fortschritt.
Spielfilm.de:
Du hast also keine Angst vor der Zukunft?
Gyllenhaal:
Schau dir an, wie sich Berlin in den letzten zwanzig Jahren verändert hat! Angefangen bei der Architektur über die verschiedenen Kulturen bis hin zur heutigen Jugend. Ein richtiger Braukessel. Die Architektur beschreibt Berlin recht gut. Ich spüre, dass Sinn dahinter steckt, dass man sich hier Gedanken macht. An anderen Orten der Welt herrscht Kopflosigkeit, und ich gebe zu, dass solche Tendenzen auch in meiner Heimat zu erkennen sind. Aber zu allen Problemen gibt es immer auch ein Gegenstück. Wie ich schon sagte: Es gibt Hoffnung.
Spielfilm.de:
Hast du dich eigentlich oft mit deiner Schwester und Kollegin Maggie Gyllenhaal verglichen, die vor kurzem erst mit Julia Roberts in "Mona Lisas Lächeln" zu sehen war?
Gyllenhaal:
Wegen ihr habe ich mit der Schauspielerei überhaupt erst angefangen. Ich sah ihre Auftritte und wollte ihr nacheifern – wie man es bei älteren Geschwistern immer gerne macht. Doch dann wurde ich schneller bekannt als sie und das brachte natürlich Probleme. In gewisser Weise konkurrierten wir miteinander, und Geschwister können sich gegenseitig ziemlich wehtun. Erst als "Secretary" in die Kinos kam und Maggie mehr interessante Angebote bekam, legte sich das Problem von alleine. Nach ihrer Golden-Globe-Nominierung führten wir ein langes Gespräch, in dem wir den Konkurrenzkampf ein für allemal beendet haben. Plötzlich erschien alles so sinnlos.
Spielfilm.de:
Was hat dein Vater, ein angesehener Regisseur, zu eurer Karriere gesagt?
Gyllenhaal:
Er hat kein Problem damit. Meine Eltern haben uns beiden nahe gelegt, dass Film ein politisches Medium ist. Sie kamen aus ziemlich unschönen Verhältnissen und benutzten den Film, um mit anderen zu kommunizieren. Dank ihnen begreife ich, wie wunderschön es ist, mit diesem Medium Gefühle zu vermitteln.
Spielfilm.de:
Was sind für dich die positiven, was die negativen Facetten des Filmbusiness?
Gyllenhaal:
Neulich habe ich mich mit Ang Lee darüber unterhalten, wie schön es ist, im Kino Filme zu sehen. Denn jeder mag es, wenn es einen Kontext, einen Anfang und ein Ende gibt. Ähnlich wie bei einem Zeitschriftenartikel. Man weiß, dass es irgendwann zu Ende ist. Manchmal sehnt man das Ende herbei, manchmal soll es am liebsten nie aufhören. Auf alle Fälle ist das Kino ein gemütlicher Platz mit einer gewissen Ordnung und Struktur. Innerhalb dieser Ordnung die Gefühle aufzumischen – das finde ich klasse! Filme sind wie Puzzles, bei denen nach und nach alle Teile ein Ganzes ergeben. Ein faszinierender Gedanke. Leider gibt es in dieser Branche aber viele Leute, die dir einreden wollen, dass du sie unbedingt brauchst. Dabei brauchen sie dich meistens viel mehr als du sie. Ich dauerte ziemlich lange, bis ich das begriffen habe.
Quelle: Spielfilm.de Interview: Johannes Bonke / Rico Pfirstinger

nach oben

Hier kommt die Flut
Jake Gyllenhaal darüber, wie es war, in »The Day after Tomorrow« unterzutauchen.

Sie gelten als einer der vielseitigsten Jungdarsteller in Hollywood. Wie fühlt man sich dort als große Hoffnung?
Ehrlich gesagt, ich bin es leid. Alle wollen, dass man sofort brilliant und einzigartig ist – so eine Art James Dean. Wenn man sagt, man würde gerne mit der Zeit besser werden und an sich arbeiten, gilt man schon als Langweiler.
Bisher sah man Sie in kleineren Werken wie dem düsteren Kultfilm »Donnie Darko«.
Warum jetzt ausgerechnet ein Mega-Blockbuster von Roland Emmerich?

Ich renne schon seit meiner Kindheit in Katastrophenfilme und sehnte mich schon, als »Independence Day« anlief, danach, mal in so einem Hammer dabei zu sein.
Angeblich hat Ihnen sogar Dustin Hoffman von der Rolle in dem Wetterspektakel abgeraten, weil er Sie zu schade für so was fand. Stimmt das?
Ja, das stimmt. Ich glaube, er hat schlechte Erfahrungen mit solchen Riesenproduktionen gemacht. Er will lieber selbst der Sturm in seinen Filmen sein, um den sich alles dreht. Aber ich respektiere ihn so sehr, dass ich schon an meiner Rollenwahl gezweifelt habe. Und es gab auch Momente, wo ich mich gerne an den Drehort eines kleinen Independent-Films zurückgewünscht hätte.
Zum Beispiel?
Für die Flutszenen hatten wir einen großen Wassertank, in dem ständig 700 Komparsen herumschwammen. Natürlich war das Wasser irgendwann voller Pisse, und ich musste dauernd darin untertauchen. Und die ganze Crew musste dauernd fast kotzen, weil dieser verdammte Kunstschnee so eklig war. Um ihn zu erzeugen, benutzten sie Füllungen von Babywindeln, die in Verbindung mit Wasser unheimlich aufgingen und wie Gelee glibberten. Einmal bekam ich die Regieanweisung, ganz schnell einen verschneiten Hügel hinaufzulaufen, und fiel voll auf die Schnauze.
»The Day after Tomorrow« handelt von einer Wetterkatastrophe, die durch die globale Erwärmung ausgelöst wird. Denken Sie, dass dieses Kinoereignis etwas in den Köpfen der Menschen bewirken kann?
Ich fände es ein wenig anmaßend, von einem Film so etwas zu erwarten. Roland hat einfach Spaß am Spektakel der Zerstörung. Aber vielleicht fürchten sich ja einige Leute nach dem Film so sehr, dass sie die Klimadiskussion ernst nehmen.
Denken Sie an Präsident Bush?
Warum nicht? In dem Film erwischt es die USA ja besonders schlimm. Und der US-Präsident muss Mexiko und Drittweltländer anbetteln, um alle Amerikaner dorthin evakuieren zu dürfen. Das finde ich politisch subversiv.
Sie sind 23 Jahre alt und der Freund von Kirsten Dunst. Was machen Sie so, wenn Sie nicht arbeiten?
Ich koche wie verrückt für Kirsten und mich. Meine Schwester Maggie hat uns zusammengebracht, und Kirsten schwört auf meine Kochkünste. Mein Lieblingskoch Mario Battaglia sagte, man sei ein echter Chefkoch, wenn man mit allem kochen kann. Daran halte ich mich. Ich könnte sogar etwas aus den Gegenständen auf diesem Tisch fabrizieren. Ein Kassettenrekorder-Sandwich mit Guacamole und Chips.
Wie ertragen Sie es, als Promi-Paar immer unter dem Brennglas der Boulevardpresse zu leben?
Mit viel Eiswasser und viel Schmerzmittel.
In »Donnie Darko« spielten Sie einen depressiven Teenager, dem ein unheimlicher Riesenhase erscheint und Prophezeiungen macht. Jetzt können wir es ja fragen: Haben Sie den Film eigentlich verstanden?
Nicht ganz, aber darum geht es ja. Donnie ist in diesem Alter, in dem sich nichts solide anfühlt, alles tausend Bedeutungen hat. Es ist ein Alter, in dem es durchaus logisch erscheinen mag, wenn einem ein Riesenhase den Weltuntergang
ankündigt.
Richard Pleuger / NEON 24/06/04 | 20:31

nach oben

Nasse Rolle

Mit „The Day After Tomorrow“ wollten Roland Emmerich und sein Star Jake Gyllenhaal
einen Katastrophenfilm drehen, der nicht nur unterhält, sondern auch belehrt

Von Andreas Conrad / Der Tagesspiegel 05.05.2004
Allergiker, freuet euch! „Jahreszeitbedingt ist aufgrund der noch mächtigen Schneebedeckung mit keinem Pollenflug zu rechnen.“ Man sollte aber nur gut verpackt ins Freie. Die Temperatur in Berlin? 29 Grad. Minus!
Ja, so dürfte es sein, wenn die nächste Eiszeit ausbricht. Das Presseheft von Roland Emmerichs Film „The Day After Tomorrow“, aufgemacht wie eine Tageszeitung, greift hier zwar weit voraus, aber das ist schon in Ordnung. Schließlich geht die Vereisung der Erde von Hollywood aus – und der Film soll ein Kassenknüller dieses Sommers werden, da ist Übertreibung zulässig. Doch wie heftig das große Bibbern und Zähneklappern ausfällt – Zeit, über die Augen eines Schauspielers zu sinnieren, wird dann kaum noch sein. Über die von Jake Gyllenhaal beispielsweise, die es in diesem Moment gleich doppelt gibt: in dem Presseheft, das auf dem Tisch im Zimmer des Four Seasons vor dem jungen Schauspieler liegt, und noch einmal real. Der Blick auf dem Foto sei so intensiv, hat sich einer der beiden Journalisten gewundert, die seit 20 Minuten Gyllenhaal zu Film, Arbeit, Leben mit Fragen löchern. Bereitwillig geht er darauf ein, ja, den intensiven Blick hätten schon viele angesprochen, er verstehe das gar nicht. Seine Augen klappen noch ein wenig weiter zu. Der lange Flug aus Los Angeles nach Berlin fordert seinen Tribut. Nicht, dass Gyllenhaal nur unkonzentriert zu antworten wüsste, ganz und gar nicht. Eine gewisse Mattigkeit freilich ist nicht zu leugnen. Gyllenhaal ist zu lange Profi, um dem nachzugeben.
Neben vielen Superstars hat er schon gespielt, etwa Dustin Hoffman in „Moonlight Mile“, im Vorjahr auf der Berlinale. Auch Hauptrollen hat er übernommen, überwiegend in unabhängigen Produktionen, nicht bei den großen Studios. In einem Film wie „The Day After Tomorrow“, in dieser Preis- und Action-Klasse, war er noch nie. Dort herrsche „eine völlig andere Mentalität“: Sonst kann er sich gewisse Freiheiten herausnehmen, variieren. Hier hat er auf den Punkt genau zu funktionieren, als „Teil eines Puzzles“: In einem bestimmten Moment hat er das Vorgeplante abzuliefern. Das dürfe man nicht unterschätzen, das sei harte Arbeit. Und einer, der das besonders gut beherrscht, den er bewundert für seine Leistung gerade in Actionfilmen, ist Will Smith – der in Emmerichs „Independence Day“ seinen Durchbruch nach ganz oben hatte.
Das Anliegen von „The Day After Tomorrow“, in dem die Erde von einer plötzlichen Klimakatastrophe heimgesucht wird und New York erst von einer Riesenflut überschwemmt wird, dann im Eis erstarrt? In erster Linie „Entertainment“, und da biete der Film Spaß gleich „tonnenweise“. Aber er habe eben auch eine ökologische Botschaft, sagt Gyllenhaal, und wünscht sich, dass die Zuschauer nicht nur gut unterhalten werden, sondern auch mit dem Gefühl aus dem Kino kommen, dass sie etwas gelernt haben.
Neben Gyllenhaal hat Emmerich auch dessen Filmpartnerin Emmy Rossum mitgebracht – 17 Jahre alt und ein erstaunliches Multitalent. Als Schauspielerin hat sie schon die junge Audrey Hepburn dargestellt, singen kann sie auch, stand mit Placido Domingo auf der Bühne und wird demnächst in der Verfilmung des „Phantoms der Oper“ zu sehen sein. Auch hat sie an der Stanford University ein Studium für Hochbegabte absolviert – eine Frau des Buches also und schon insofern eine geeignete Galionsfigur für die hiesige „Stiftung Lesen“, die über den Film versucht, Schüler zum Buch zu überreden. Und dabei werden doch im Film in der vereisten Manhattan Public Library Folianten gleich dutzendweise verfeuert. Es fehlt halt an Briketts.

nach oben

Frisch aus der Eiszeit

Jake Gyllenhaal
ist 23 Jahre alt und Hollywoods Hoffnung – er spielte die Hauptrolle im Klimathriller

Von Rüdiger Suchsland / Der Tagesspiegel 30.05.2004
Die Welt muss er einstweilen nicht retten. „Überstehn ist alles“ heißt es schon bei Rilke. Und dies ist ungefähr die Rolle, die Jake Gyllenhaal in Roland Emmerichs Katastrophenthriller „The Day After Tomorrow“ übernehmen muss. Vor allem rennt er weg: Zuerst vor den Erziehungsversuchen seines Filmvaters Dennis Quaid, dann vor den Mädchen, und vor den Flutwellen, Tornados und Eisstürmen, die New York zerstören. Mitten in der neuen Eiszeit ist Gyllenhaal dann am Ende der junge Überlebende, die fleischgewordene Hoffnung der Menschheit, dass es nach dem Weltuntergang weitergeht.
Eine große Hoffnung ist Gyllenhaal zur Zeit auch für Hollywood. Johnny Depp ist längst über 40, Tobey Maguire wird bald 30 und selbst Leonardo di Caprio ist nicht mehr ganz taufrisch – da kommt einer wie der 23-jährige Gyllenhaal gerade recht. Denn die Industrie verlangt frische Gesichter, und jede Teenagergeneration braucht ihren Traumboy. Auch darum wird in den großen Studios der Westküste derzeit kaum ein Name so heiß gehandelt wie seiner. Produzenten und gute Regisseure überhäufen ihn mit Angeboten, und schon jetzt ist klar, dass wir ihn bald auf der Leinwand wieder sehen werden, in den Filmen von Neil Jordan („Interview mit einem Vampir“), Stephen Hopkins („24“) und Ang Lee („Tiger & Dragon“).
Woher dieses Interesse? Auf den ersten Blick – allerdings nur auf den ersten – scheint Jake Gyllenhaal dem Ideal gar nicht zu entsprechen. Ziemlich schüchtern und ein bisschen müde sieht er aus, hat eine miserable Haltung – hochgezogene Schultern, schiefer Kopf –, dass einem unwillkürlich all jene Sprüche einfallen, die einem Mütter gern hinterherrufen: „Junge, halt Dich gerade!“ Muskeln sind nicht zu sehen, weich und bleich sieht er aus, ein bisschen so, wie man sich einen typischen Nerd vorstellt, einen spätpubertierenden Jungen, der zuviel vorm Computer hängt, und immer nur Softdrinks schlürft.
Völlig falsch, dieser Eindruck. Sobald er den Mund aufmacht, weiß man das auch. Dann ist nämlich der traurig-müde Blick durch ein waches Blinzeln abgelöst und Jake entpuppt sich als ironischer und intelligenter Mensch. „Dennis Quaids Sohn – sagt das nicht genug über meine Rolle?“ Man merkt das auch an der Art, in der er über seine Eltern oder seine Begegnung mit Paul Newman spricht, der ihm seine erste Fahrstunde gab. Oder wenn er erzählt, wie sehr er Filme mit einfachen Botschaften „hasst“: „Wenn es da immer heißt: ,Liebe kennt keine Grenzen’, ist das Quatsch. Wenn das stimmt, soll man Schwule doch heiraten lassen.“
Wie er zum Film kam, das ist tatsächlich eine Geschichte, wie man sie schon tausend mal gehört hat: Seine Mutter ist Drehbuchautorin, sein Vater Schauspieler. Man kennt ihn vor allem aus ganz passablen TV-Serien. So wuchs Jake wie seine ebenfalls schauspielernde ältere Schwester Maggie („Mona Lisa Smile“) in einem Milieu auf, in dem es ständig um Film ging. Natürlich rieten ihm die Eltern ab, meinten er sollte doch etwas Vernünftiges lernen. Aber wenn man schon als Kind Paul Newman die Hand drücken darf, dann fehlen den Eltern schnell die Argumente dafür, was denn so schrecklich ist am Schauspielerleben. Schon mit elf Jahren bekam Jake seine erste Rolle. Danach folgten jedes Jahr ein, zwei Filme. Vor vier Jahren kam dann der erste Paukenschlag: In „Donnie Darko“ spielte er einen Heranwachsenden, der von merkwürdigen Visionen geplagt und allmählich verrückt wird. Mehrfach hat er solche „problematischen Teenager“ gespielt, ebenso zweimal junge Liebhaber älterer Frauen, wie in einem bemerkenswerten Auftritt in „The Good Girl“ an der Seite von Jennifer Aniston. Im richtigen Leben ist er seit eineinhalb Jahren mit seiner Kollegin Kirsten Dunst zusammen.
Ein richtiger Kinoheld ist Gyllenhaal einstweilen noch nicht. In Emmerichs Film sitzt er vor allem in der New York Library und verbrennt Bücher, um es warm zu haben. Ob das nun die richtige Botschaft ist für das kommende Jahrtausend, davon ist Gyllenhaal auch nicht überzeugt. „Ich lese jedenfalls gern. Alle Leute sollten mehr lesen.“ Einstweilen bleibt er also ein Sonnyboy. Aber man kann sicher sein, dass es nicht mehr sehr lange dauert, bis Jake Gyllenhaal auch die Welt retten muss.
Jake Gyllenhaal, der eigentlich Jacob heißt, wurde 1980 in Los Angeles geboren. Mit elf Jahren erlebte er sein Kinodebüt.
An der Seite von Dustin Hoffmann spielte Gyllenhaal vor zwei Jahren in „Moonlight Mile“ einen verhinderten Schwiegersohn, dessen Braut kurz vor der Hochzeit ermordert wurde.
Mit 20 studierte er zwei Jahre an der New Yorker Columbia University. Seitdem arbeitet er ganz als Schauspieler. Seine Vorbilder sind Sean Penn und Cate Blanchett.

nach oben

Ich will verdammt gut sein
Der Schauspieler Jake Gyllenhaal über Karriere, Klimakatastrophen und gekaufte Bäume
"The Day After Tomorrow" macht nebenbei ein bisschen Werbung für ein Umweltprojekt. Bei "Future Forests" soll man als Ausgleich für seinen persönlichen CO2-Ausstoß eine angemessene Anzahl von Bäumen pflanzen. Wie viele Bäume haben Sie schon gekauft?
Anfang des Jahres habe ich 350 Dollar für Bäume ausgegeben. Ich habe mich aber auch bei Roland Emmerich dafür eingesetzt, dass die Produktion ihren Teil an die Organisation gibt. Ich glaube, die haben schließlich 250 000 Dollar an "Future Forests" bezahlt.
Seit wann interessieren Sie sich für Umweltthemen?
Ich gehöre schon zu der Generation, die mit einem größeren Umwelt-Bewusstsein aufgewachsen ist. Recycling beispielsweise war bei uns selbstverständlich. Allerdings habe ich mich nie aktiv für den Umweltschutz engagiert bis ich diesen Film gemacht habe.
Sie sollen sich sogar geweigert haben, in einem Werbeclip für eine Firma aufzutreten, die für ihre Umweltsünden bekannt ist.
Weil ich es wichtig finde, wie Leute und Firmen ihre Umgebung behandeln. Und das bezieht sich auf die Umwelt ebenso wie auf die eigenen Angestellten.
Fahren Sie auch einen von diesen geländegängigen Benzinfressern, die so groß sind wie ein Wohnzimmer?
Nein, aber ich muss gestehen, dass ich ein Auto fahre, das dem schon sehr nahe kommt. Einen Mercedes. Ich hatte mich für das Auto entschieden, weil es ziemlich sicher ist. Ein schlechtes Gewissen habe ich dabei aber schon. Ich werde mir wahrscheinlich bald ein Auto mit einem Hybrid-Antrieb kaufen.
Der Film suggeriert, dass wir unser Verhältnis zur Umwelt gar nicht schnell genug verändern können.
Ich will meinen Lebensstil nicht wechseln, nur weil ich an einem Film mitgearbeitet habe, der mich auf etwas aufmerksam gemacht hat. Veränderungen gehen langsam voran - Fortschritt auch. Ich habe vor, mich zu ändern, aber es ist nicht leicht. Stellen Sie sich nur vor, wir müssten hier ohne Klimaanlage sitzen. Was für ein Horror.
Wir könnten die Fenster öffnen.
Ja, hier in Berlin haben die Gebäude Fenster, die man öffnen kann. In den meisten amerikanischen Geschäftshäusern ist das nicht so. Sprechen wir weiter über den Film. Worin sehen Sie seine Botschaft?
Meines Erachtens sagt der Film, dass die Vernachlässigung der Familie etwas Ähnliches ist wie die Rücksichtslosigkeit, mit der wir die Natur behandeln. Die Familie ist der Mikrokosmos, in dem die Mechanismen der Welt angelegt sind. Wenn wir aufmerksamer betrachten würden, was in unserer Familie vorgeht, dann würde das einen Einfluss darauf haben, wie wir auf die Welt reagieren und wie wir sie behandeln.
Glauben Sie, dass der Film bei den Zuschauern das Bewusstsein für den Umweltschutz stärken wird?
Ich weiß nicht. Ich will mich hier nicht als Prophet aufspielen. Aber als ich den Film mit ein paar Freunden sah, waren die danach entschlossen, sich umweltschonende Autos zu kaufen. Aber ob die Zuschauer in dem Film eine Warnung sehen oder ob sie sagen, es sind ja doch nur Special Effects? Auf jeden Fall aber macht der Film Spaß.
Aber er zeigt ja auch die Wirklichkeit der amerikanischen Politik, die sich weigert, aktuelle ökonomische Interessen zu Gunsten der Erhaltung der Welt zurückzustellen.
Ich liebe es, Amerikaner zu sein, trotzdem unterstütze ich nicht alles, was da passiert. Jede Regierung tut Dinge, mit denen man nicht einverstanden sein kann, in letzter Zeit ist das mehr denn je der Fall.
Arnold Schwarzenegger hat bei einem Truppenbesuch den Soldaten gesagt: Ihr seid die wahren Terminators, ich habe den Terminator nur gespielt. Wie finden Sie das?
Mein Gott. Wie kann man so etwas sagen. Ich dachte, es geht eher darum, das Auslöschen von Menschenleben zu vermeiden.
Was sind Ihre beruflichen Ziele?
Ich will keine Rollen um jeden Preis. Ich suche Geschichten, mit denen ich etwas zu tun haben möchte. Mein Ziel ist, eine möglichst lange anhaltende Karriere zu haben.
Bedeutet Karriere für Sie, dass Sie reich oder berühmt werden wollen?
Ich habe nichts dagegen, Geld zu verdienen und berühmt zu sein. Es gibt genug Geld in dem Geschäft, und wenn ein Film erfolgreich ist, dann wird man vielleicht auch berühmt. Aber man kann ziemlich reich und berühmt und trotzdem sehr unglücklich sein. In meinem Beruf will ich so gut sein, wie ich kann, und ich will verdammt gut sein. Vor allem aber möchte ich leben. Ich möchte eine Familie haben. Und ich will, dass meine Kinder gesund und glücklich sind und saubere Luft atmen können.
Interview: Gunter Göckenjan / Berliner Zeitung Mai 2004
The Day After Tomorrow

nach oben







Suchmaschinen Statistiken