Gyllenhaal: "Ich liebe das Militär"
Jake Gyllenhaal: "Ich liebe das Militär"
Schon mit elf Jahren stand Jake Gyllenhaal, der Sohn eines Regisseurs und einer Drehbuchautorin, das erste Mal vor der Kamera. Doch sein Aufstieg zu einem der begehrtesten Jungstars Hollywoods begann mit der Hauptrolle in dem Kultfilm "Donnie Darko". Seitdem hat er in "The Good Girl" Jennifer Aniston den Kopf verdreht und rettete in Roland Emmerichs "The Day After Tomorrow" die Welt vor dem Untergang. Im März startet sein neuester Film, der Oscar-Favorit "Brokeback Mountain", in dem Gyllenhaal einen schwulen Cowboy spielt.
Momentan ist er aber schon in "Jarhead" zu sehen, in dem Regisseur Sam Mendes den ersten Irakkrieg zum Thema macht. Wir trafen den Schauspieler zum Interview.
Frage: Was hat Sie an "Jarhead" gereizt?
Jake Gyllenhaal: Ich habe den Film nicht gedreht, weil mich das Genre fasziniert hätte und ich unbedingt mal einen Kriegsfilm drehen wollte. Ich fand das Buch einfach großartig, weil es für den echten Tony Swofford (damals ein Soldat der Marines, d. Red.) eine vollkommene Gratwanderung zwischen vollkommenem Bereuen und absoluter Wertschätzung seiner Erfahrungen in diesem Krieg zeigt. Dieses Gefühl erschloss sich mir sofort, auch wenn ich selbst keinerlei Erfahrungen mit Krieg gemacht habe.
Frage: "Jarhead" war zunächst mal sicherlich eine körperliche Anstrengung. Wie haben Sie sich in Form gebracht?
Gyllenhaal: Ich habe natürlich viele Gewichte gehoben, bin Rad gefahren, viel gelaufen und geschwommen. Das ganze Programm eben, für ungefähr zwei Monate. Und anschließend ging es zusammen mit den anderen Schauspielern in ein echtes Boot Camp, wo wir ein richtiges Soldatentraining durchliefen. Gut in Form zu sein war tatsächlich wichtig, um mehrere Monate in der Wüste zu verbringen. Im Anschluss an "Jarhead" habe ich dann allerdings einen Comiczeichner gespielt, und David Fincher, der bei "Zodiac" Regie führte, verlangte von mir, dass ich an jedem Arm fünf Kilo abnehme. Die meisten Muskeln sind also längst wieder weg.
Frage: Reift man bei den Marines tatsächlich zum "echten" Mann, wie "Jarhead" suggeriert?
Gyllenhaal: Natürlich kann ich diese Frage nur von meinem Standpunkt von außen beantworten, schließlich haben wir als Schauspieler nur einen Bruchteil dessen vermittelt bekommen, was es tatsächlich heißt, ein Marine zu sein. Aber ich habe auf jeden Fall einen gewissen Eindruck von der ganzen Angelegenheit bekommen. Wenn man zum Beispiel im Leben an einem Punkt steht, wo man glaubt, den nächsten Hügel nicht meistern zu können - sei es im wörtlichen oder im übertragenen Sinne - dann kann man bei den Marines einfach davon ausgehen, dass wirklich jeder den Gipfel dieses Hügels erreicht.
Das ist gleichermaßen eine körperliche wie mentale Sache, aber die Marines schaffen es immer noch weiter, selbst wenn sie eigentlich glauben, am Ende ihrer Kräfte zu sein. Ich habe dort eine ganz neue Seite meiner Männlichkeit entdeckt: Plötzlich war ich fit, fühlte mich stark und sexy und hatte tatsächlich Spaß daran, mein Gewehr abzufeuern. Diese Gefühle kannte ich vorher nicht und sie sind auch nur ein Teil meiner Persönlichkeit. Aber so weit überhaupt erstmal zu kommen und diese Seite an mir zu entdecken, das habe ich bei den Marines gelernt.
Frage: Ihre Einstellung dem Militär gegenüber hat sich also durch den Film geändert?
Gyllenhaal: Früher hatte ich ein ganz bestimmtes, vorgefertigtes und letztlich negatives Bild von der Armee und dem Militär im Allgemeinen im Kopf. Doch nachdem ich jetzt all diese Erfahrungen gemacht habe, hat sich das komplett geändert. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber ich liebe das Militär als Institution mittlerweile. Möglicherweise könnte ich mir sogar selbst einmal vorstellen einzutreten - wenn ich für etwas kämpfen würde, von dem ich denke, dass es die richtige Sache ist.
Vor den Marines - und nur für die kann ich sprechen, schließlich ist das etwas völlig anderes als die Navy oder sonstige Teile des Militärs - habe ich mittlerweile den allergrößten Respekt. Im Gegensatz zu früher habe ich nun verstanden, dass man ganz klar unterscheiden muss zwischen der Regierung und dem Militär. Der Job, den unsere Männer momentan im Irak machen, ist absolut ehrenwert, mutig und bewundernswert. Über unsere Regierung würde ich das Gleiche allerdings nicht behaupten.
Frage: In "Jarhead" gibt es viele Anspielungen auf den Vietnamkrieg bzw. auf Filme über den Vietnamkrieg. Sehen Sie den Film in der gleichen Tradition?
Gyllenhaal: Zu Zeiten des Vietnamkriegs war ich noch nicht geboren und beim ersten Irakkrieg war ich elf Jahre alt. Ich habe also eine Erinnerung daran, allerdings ist die nicht allzu ausgeprägt und natürlich sehr durch meine Eltern beeinflusst. Aber ich denke schon, dass jede Generation einen Krieg hat, zu dem sie eine spezielle Beziehung hat, daher könnte "Jarhead" durchaus für einige Leute das sein, was Filme über den Vietnamkrieg für eine andere Generation waren. Was mich allerdings sehr irritiert hat, waren einige Reaktionen darauf, vor allem in den USA. Teilweise sagten die Leute, sie hätten gerne mehr Action gesehen. Jemand sagte zu mir sogar, ihn störe, dass "Jarhead" ein Kriegsfilm ohne Krieg sei. Dabei ist die Definition von Krieg wirklich höchst relativ und alles andere als leicht zu treffen.
Gerade der erste Irakkrieg ist für die Menschen, die ihn gekämpft haben, etwas ganz besonderes, und zu sagen, das sei kein Krieg gewesen, ist missachtend. Möglicherweise ist es tatsächlich eher ein Krieg in den Köpfen als auf den Schlachtfeldern gewesen, aber das macht ihn nicht weniger grausam. Die Interpretation von Krieg und Kriegsfilmen ist aber immer eine sehr individuelle Angelegenheit, eine echte Gratwanderung. Das sieht man ja auch an "Apocalypse Now". Der Film ist damals ganz eindeutig als Anti-Kriegsfilm gedreht worden, aber wie man in "Jarhead" sehen kann, wird er heute von einigen Soldaten als Motivation dazu empfunden, Menschen umzubringen.
Frage: Eigentlich wollten Sie den echten Anthony Swofford nicht kennen lernen, trafen ihn dann aber doch während der Dreharbeiten. War das eine gute Entscheidung?
Gyllenhaal: Tony ist in erster Linie Schriftsteller und versteht daher die Kunst und die Künstlichkeit des Filmemachens ziemlich gut. Ich habe von ihm volle Unterstützung bekommen, weil er verstanden hat, dass die Rolle zwar auf seinem Leben basierte, aber nicht vollkommen ihn darstellen sollte. Ich habe nicht den echten Tony Swofford gespielt, sondern Swoff, den Kerl aus "Jarhead". Dadurch ließ er mich letztlich alles so machen, wie ich es machen wollte und das erleichterte uns beiden die Sache sehr.
Frage: Wie war es eigentlich, mit Peter Sarsgard zu drehen, der ja der Freund Ihrer Schwester Maggie ist?
Gyllenhaal: Genau aus diesem Grund hatte ich mir natürlich im Vorfeld schon ein paar Sorgen gemacht. Wir kannten und mochten uns ja schon vorher, aber wenn man dann plötzlich so eng auf einander hockt und irgendwie immer noch eine dritte Person wie unsichtbar zwischen uns steht, hätte das natürlich auch schnell merkwürdig werden können. Maggie fand das Ganze von vornherein großartig, denn sie mag es gerne, wenn man die Dinge so richtig und nicht nur oberflächlich anpackt. Für mich ist sie so etwas wie die Patti Smith unter den Schauspielerinnen, roh und ursprünglich. Die Vorstellung, dass Peter und ich zusammen arbeiten und da auch einige schwierige Momente durchmachen müssen, gefiel ihr gut, gerade weil sie uns beide so sehr liebt. Und tatsächlich kann ich mittlerweile aus vollstem Herzen sagen, dass er nicht mehr nur der Freund meiner Schwester ist, den ich gerne mag, sondern dass er für mich mittlerweile vor allem mein Freund ist.
Frage: Sie haben in letzter Zeit mit "Proof", "Jarhead" und "Brokeback Mountain" eine ganze Reihe gefeierter Filme gedreht. Woher haben Sie die richtige Nase für solche Filme?
Gyllenhaal: So genau weiß ich es eigentlich auch nicht. Ich folge einfach meinem Herzen und das scheint momentan genau das Richtige zu sein. Außerdem waren bei den genannten Filmen einige Rollen dabei, die andere Schauspieler vor mir abgelehnt hatten, weil sie Angst hatten, vor allem bei "Brokeback Mountain". Aber mich bewegen diese Rollen, sie haben mich instinktiv angesprochen und sofort mein Herz getroffen. Natürlich hat man in dem Moment, wo man eine Rolle annimmt, noch keine Ahnung, ob der Film in irgendeiner Weise erfolgreich sein wird. Aber wenn man die Chance bekommt, mit Regisseuren wie Sam Mendes oder Ang Lee zu arbeiten, ist die Wahrscheinlichkeit riesig, dass etwas Fantastisches dabei herauskommt. Da kann man nicht ablehnen. Und in manchen Fällen lohnt es sogar richtig, auch mal um eine Rolle zu flehen und zu betteln.
Frage: Haben Sie nach "Brokeback Mountain" schwulenfeindliche Reaktionen oder Beschimpfungen erlebt?
Gyllenhaal: Nein, überhaupt nicht. Die Schwierigkeit ist ja letztlich eine ähnliche wie bei "Jarhead": man kann sich einfach kein Urteil erlauben über etwas, dass man selbst noch nicht erlebt hat. Ich hatte Vorurteile gegenüber dem Militär, die ich nun nicht mehr habe. Sollte mir wegen "Brokeback Mountain" jemand komisch kommen, würde ich ihm als erstes raten, sich den Film überhaupt erstmal anzusehen. Und wenn er mich danach immer noch beschimpfen will, darf er das gerne tun - aber dann muss er auch mit den Konsequenzen leben. Mir ist schon klar, dass dieser Film heftige Reaktionen auslöst, in beide Richtungen. Er wird lautstark bejubelt und heftig angefeindet, beides nur auf Grund seiner Thematik und häufig von Leuten, die ihn gar nicht gesehen haben. In dem Fall ist beides natürlich unangebracht, da erwarte ich schon eine gewisse Reife von den Leuten.
Frage: Wie weit gehen Sie denn auf der Leinwand? Gibt es Rollen, die Sie nicht spielen würden?
Gyllenhaal: Ja, natürlich. Wenn sie nicht interessant sind zum Beispiel (lacht). Prinzipiell suche ich in all meinen Rollen nach Menschlichkeit. Ich habe auch schon Rollen gelesen, in denen ich einen Kinderschänder oder einen Psychopathen gespielt hätte. Aber es muss für mich - und auch für den Zuschauer - immer noch ein Gespür dafür geben, dass vielleicht ein kleiner Teil von einem selbst in diesem Charakter steckt, selbst wenn das eine höchst verstörende Figur ist. Nur wenn ich mich so gar nicht mit der Rolle identifizieren kann und überhaupt keinen Zugang finde, dann interessiert sie mich nicht. Reine Perversion oder reine Dämlichkeit reizen mich nicht, aber alles dazwischen kann ich mir im Grunde genommen vorstellen.
Das Gespräch führte Patrick Heidmann 05. Januar 2006 (N24.de, Netzeitung)
Jarhead
Fundsache auf GMX.de:
(...)Viele Hollywood-Stars würden alles tun, um ihre Traumrolle zu ergattern. Jake Gyllenhaal würde sich sogar eine Weihnachtsmütze auf seinen Penis stülpen, um an eine Filmrolle zu kommen.
Der "Brokeback Mountain"-Star sagt, er würde nahezu alles dafür tun, um bestimmte Filmrollen zu erlangen, die er gerne spielen würde. Im "Britains Arena Magazine" sagte der Schauspieler: "Man muss immer betteln um eine Filmrolle zu bekommen, da ist es egal ob man vor der Kamera eine Weihnachtsmütze auf seinen Penis stülpt oder Sex mit Heath Ledger macht."
Während der Dreharbeiten zu "Jarhead", so Gyllenhaal weiter, habe er außerdem vieles darüber herausgefunden, wie US-Soldaten im Kriegseinsatz ihre Zeit totschlagen müssen. Sein Fazit ist ernüchternd: "Die Soldaten werden über 100 Tage in die Wüste geschickt, sitzen im selben Zelt und alles was sie tun können, um ein wenig Spaß zu haben ist ein wenig Masturbation", sagte der Filmstar.
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