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Interviews zu dem Film:


Vom Kinoheld für Intellektuelle zum neuen Mann fürs Grobe: Jake Gyllenhaal
gq-magazin.de
24.04.2010 Jake Gyllenhaal, Perserprinz
Jake Gyllenhaal war ein Kinoheld für Intellektuelle. Jetzt kämpft er sich im Muskelpanzer durch das Actionspektakel „Prince of Persia“. Warum? Die Pinewood Studios vor den Toren Londons sind fest in der Hand von Krummsäbel schwingenden Kriegern. Schauspieler und Stuntmen wirbeln durch eine chaotisch anmutende, aber präzise choreografierte Actionsequenz. Unter Aufsicht von Regisseur Mike Newell („Harry Potter und der Feuerkelch“) und Hitproduzent Jerry Bruckheimer („Fluch der Karibik“) wird an diesem Spätsommertag 2008 gerade der Eröffnungs-Fight der 150 Millionen Dollar teuren Videospieladaption „Prince Of Persia“ gedreht. Im Zentrum der Action: ein hochgewachsenes Energiebündel mit wallendem Haar und stählernem Körper, dem das Adrenalin aus den Ohren zu quellen scheint.
Bye, bye, Mr. Nice Guy
Man schaut genauer hin. Reibt sich verwundert die Augen. Ja, doch, der Kerl, der da mit halsbrecherischen Parcourssprüngen wie ein Flummi durch die maßstabsgetreuen Kulissen einer orientalischen Festung aus dem sechsten Jahrhundert federt und en passant ein paar Widersacher ausschaltet, ist tatsächlich Jake Gyllenhaal. Jener Supersoftie, dessen waidwunden Blick die meisten aus „Brokeback Mountain“ in Erinnerung haben, als er Heath Ledger und einem Millionenpublikum das Herz brach. Jetzt sind seine Augen rockstarmäßig umrandet von schwarzem Kohlestift. Die Lederbänder seines Kostüms können den mächtigen Bizeps kaum bändigen.
Der "Prince of Persia"
Gyllenhaal spielt in „Prince Of Persia“ den jüngsten von drei Brüdern, die in ein Duell mit einem despotischen Herrscher (Ben Kingsley) verwickelt werden, und eine schöne, rettungsbedürftige Aristokratin (Bond-Girl Gemma Arterton) darf freilich auch nicht fehlen. Fantastische Elemente gibt es ebenfalls, etwa wenn sich Freund und Feind um eine mysteriöse Sanduhr balgen, mit der die Zeit angehalten und das Schicksal revidiert werden kann. Doch Gyllenhaal sieht das Ganze eher als „klassisches Abenteuerkino mit Cliffhangern und einer gesunden Prise Humor“. Ist gekauft. Trotzdem muss die Frage erlaubt sein:

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Fragen an Jake Gyllenhaal
GQ:
Wie zur Hölle gerät ein sensibler Indie-Kino-Liebling wie Sie als Muskelkrieger in den mutmaßlichen Blockbuster der Saison?
Jake Gyllenhaal: Wenn mir einer vor fünf Jahren erzählt hätte, dass ich eines Tages den Kindheitstraum jedes kleinen Jungen erfüllt bekäme und den Helden eines fantastischen Abenteuers spielen würde, hätte ich mir sicher auch an den Kopf gefasst. In meiner Vorstellung war schlicht kein Platz für so einen Job. Doch Bruckheimer hat gute Erfahrungen damit gemacht, Leute wie Johnny Depp oder John Malkovich komplett gegen ihr Image zu besetzen.
GQ:Videospiel-Verfilmungen sind ja meist etwas schlicht und reichlich brutal. Gibt „Prince Of Persia“ ernsthaft eine gute Geschichte her?
Jake Gyllenhaal: Das Drehbuch ist exzellent und bietet mir beim Spielen eine Bandbreite an Emotionen, wie ich sie genauso auch aus seriösen, kleinen Dramen gewohnt bin. Zudem sind wichtige Nebenrollen mit gestandenen Theaterleuten oder Oscargewinnern wie Alfred Molina und Sir Ben Kingsley besetzt. Jeder von uns nimmt den Stoff extrem ernst, wir wollen uns hier durchaus mit Klassikern wie „Indiana Jones“ messen und sind dabei zu einem verschworenen Team zusammengewachsen. So sehr sogar, dass wir beim Außendreh in Marokko wegen unsauberen Wassers tapfer die Diarrhö miteinander teilten (lacht).
GQ: Besteht bei Produktionen dieser Größe nicht die Gefahr, dass die Schauspieler von den Schauwerten an den Rand gedrückt werden?
Jake Gyllenhaal: Diese Sorge hatte ich auch, doch alle Spezialeffekte stehen im Dienst der Geschichte, und die meisten wird der Zuschauer gar nicht bemerken, darunter schillernde Wüstenstädte oder digital erweiterte Statistenheere. Mein Part ist extrem physisch; denn die Videospielfigur in „Prince Of Persia“ definiert sich über Akrobatik statt roher Gewalt. Für jedes Duell und jeden Stunt gibt es einen in der Story verwurzelten Grund. Dadurch wirkt der Film wie eine logische Fortsetzung meiner bisherigen Karriere.
Mit dem augenfälligen Unterschied freilich, dass Gyllenhaal für Theaterinszenierungen am Londoner Westend oder Familienfilme wie „Moonlight Mile“ mit Dustin Hoffman keine 15 Kilo an Muskelmasse zulegen musste. Verordnet wurde ein siebenmonatiges Fitnesstraining unter Aufsicht des Teams, das auch Daniel Craig für „Casino Royale“ in Badehosenform gebracht hatte. Zudem lernte er Hochtemporeiten, beidhändiges Fechten und bekam Sprungunterricht von David Belle, dem besten Parkourspringer der Welt. „Wenn ich in der Rolle cool aussehe, ist das ein schöner Nebeneffekt unserer Arbeit“, sagt Gyllenhaal, „aber ästhetische Überlegungen waren zweitrangig.“

Jake Gyllenhaal: Bis an die Grenze der Belastbarkeit
Fragt man indes seinen Regisseur, war der Jungstar im Laufe der Vorbereitung geradezu besessen davon gewesen, seine körperlichen Grenzen auszutesten. Immer wieder kann man Gyllenhaal nun am Set beobachten, wie er sich mit Luftsprüngen, Kniebeugen oder einem raschen Satz Liegestütze förmlich aufpumpt für den kommenden Kameraeinsatz, konzentriert wie ein Olympionike, angriffsbereit wie ein Boxer. „Das muss sein“, wehrt er den Verdacht nach obsessiver Übermotivation ab, „denn an 80 von insgesamt 110 Drehtagen stehen für mich Actionszenen auf der Agenda. Wenn man dabei nicht konstant das Energielevel auf höchstem Niveau hält, fällt man irgendwann um, zumal wir die ersten Monate in der sengenden Hitze Marokkos filmten. Sollte ich schlappmachen, wäre das nicht nur unprofessionell, sondern auch extrem blamabel, da ich von genau denselben Stuntleuten umgeben bin, die bereits Matt Damon in Jason Bourne verwandelt haben.“
Und die sich übrigens während des Interviews in einem Grüppchen hinter Gyllenhaal versammeln und Grimassen schneiden, frei nach dem Motto: Oh, der feine Herr aus Hollywood hat was Wichtiges zu verkünden! Erst spät bekommt Gyllenhaal mit, dass er unfreiwillig für Erheiterung sorgt – und schämt sich fast dafür, dass er hier der Star ist, dem so viel Aufmerksamkeit zuteil wird.

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Neues Jahrtausend - neue Actionhelden
Dieses Unbehagen ist typisch für eine ganze Generation von US-Schauspielern, deren Transformation vom Jungen-Schlaks zum gestandenen Mannsbild vielfach körperliches Aufrüsten bedingte – und manch kleine Identitätskrise mit sich brachte. War der Archetyp des Actionhelden in den 70ern noch schnauzbärtig (Burt Reynolds, Charles Bronson) und bis in die 90er grotesk voluminös (Schwarzenegger, Stallone), so erobern spätestens seit dem Durchbruch von Nicolas Cage mit „Con Air“ immer mehr feinfühlige Charakterdarsteller das lukrative Actionpantheon. Zu Beginn ihrer Karrieren kümmerte es Matt Damon, Tobey Maguire, Leonardo DiCaprio, Ethan Hawke und nun Gyllenhaal kaum, wenn sie untergewichtig und slackerhaft lebensuntüchtig wirkten. Im Gegenteil, die Konfrontation mit Einsamkeit, Versagensängsten und menschlichen Schwächen in ihren Rollen war die Grundlage ihres Erfolgs.
Jake Gyllenhaal: Paul Newman als Fahrlehrer
Symptomatisch die Karriere Gyllenhaals: Als Sohn eines Regisseurs und einer Drehbuchautorin wurde er ins Herz der Filmbranche hineingeboren. Paul Newman erteilte ihm den ersten Fahrunterricht, Dustin Hoffman bot sich gern als Mentor an. Früh entwickelte Gyllenhaal dank solcher Vorbilder den Ehrgeiz, nicht den Ruhm um jeden Preis zu suchen, sondern die Schauspielerei als künstlerische Ausdrucksform ernst zu nehmen. Mit seinem schmalen Gesicht und den melancholisch umschatteten Augen wurde er schnell zur Idealbesetzung für angeknackste Seelen auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt. Ob er einen passiven Soldaten mit Lagerkoller spielte wie in „Jarhead“ oder einen Mathematiker als ultimativen Nerd in „Proof“, stets lud er eher die Stubenhocker und Denker zur Identifikation ein.
Anti-Star auf der Suche nach Publikum
Die Kritiker waren begeistert, doch das große Publikum blieb ihm versagt. Noch Ende 2009 kam mit „Brothers“ ein starkes Drama über Irakkriegsheimkehrer in die US-Kinos, das so empfindlich floppte, dass es in Deutschland wohl nie das Licht der Leinwand erblicken wird. Da zeigt sich die riskante Kehrseite von Gyllenhaals früh etabliertem Image des empfindsamen Anti-Stars, der täglich meditiert, an der Columbia-Universität fernöstliche Religion studierte und schon Wert auf organisches Essen legte, als der Begriff „Bio“ noch völlig unbekannt war. „Bevor ich ihn das erste Mal traf, hielt ich Jake für einen dieser selbstmitleidigen Grunge-Burschen mit allzeit wässrigen Augen“, erinnert sich „Jarhead“-Regisseur Sam Mendes. „Es dauerte seine Zeit, bevor ich erkannte, dass darunter ein Mann lauerte, der ebenso seine Chancen zum Ausbruch suchte wie die Figuren, die er verkörperte.“

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GQ: Wie war es für Sie, quasi vor den Augen der Öffentlichkeit auf der Leinwand erwachsen zu werden?
Jake Gyllenhaal: Solche Gedanken habe ich mir nie gemacht. Es verursacht ja schon genug Kopfschmerzen, als junger Schauspieler seinen Platz zu finden. Jeder aus meiner Generation muss sich zwei Wahrheiten stellen. Erstens werden die meisten Filme heute für Teenager gemacht. Und zweitens werden die besten Rollen für Schauspieler weit jenseits unseres Alters geschrieben. Der Trick ist also, die Juwelen dazwischen zu finden – und nie der Versuchung zu erliegen, aus Frust faule Kompromisse zu machen.
GQ: Waren Sie denn nie frustriert?
Jake Gyllenhaal: Ich habe Herzblut in Filme gesteckt, die dann kein Schwein sehen wollte. Oder ich kämpfte um Rollen, die ich rückblickend wohl besser vermieden hätte. Damals hat mich das fast wahnsinnig gemacht, bevor ich lernte, dass eine komplette Kontrolle über die eigene Karriere in der Branche nicht möglich ist. Kein Schauspieler der Welt hat nur Meisterwerke gedreht. Es ist ein Lernprozess, bei dem man Niederlagen einstecken muss. Wichtig ist, sich seinen Idealismus zu bewahren und trotz unglücklicher Erfahrungen weiter Risiken einzugehen.

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Kurskorrektur gen Blockbuster
Als Gyllenhaal beispielsweise mal eine Kurskorrektur versuchte und sich in „Day After Tomorrow“ tapfer gegen die Eiszeit und Emmerichs Spezialeffekte stellen wollte, ging er Co-Star Dennis Quaid am Set so lang mit übertriebenem Figurenstudium auf die Nerven, bis ihn dieser wachrüttelte: „Junge, wir machen hier einen Actionfilm und kein Stück von Ibsen.“
Die Lektion hat offnbar gesessen. Über kurz oder lang brauchte Gyllenhaal einen Kassenhit, der Popularität und Zugang zu heiß begehrten Rollen garantiert. Als sich Tobey Maguire beim Gagenpoker rund um die „Spiderman“-Serie verspekulierte und fast gefeuert wurde, kam Gyllenhaal kurzzeitig als Ersatzmann ins Spiel, doch am Ende stand er wieder ohne Blockbuster-Option da. So dürfte nun „Prince Of Persia“ der Film werden, der die Weichen seiner Karriere neu stellt. Das vollständige Werk war bei Redaktionsschluss noch nicht zu sehen, doch erste Ausschnitte lassen auf erfrischendes, augenzwinkerndes Entertainment mit gewaltigem globalem Appeal hoffen, für das alle Beteiligten denn auch gleich zu potenziellen Fortsetzungen verpflichtet wurden.
Prince of Hollywood?
Gyllenhaal scheint gerüstet zu sein für den Thron des neuen „Prince Of Hollywood“. Die Frage ist, was er nach dem Sprung in die Leading-Man-Liga macht. Bleibt er cool, wenn ihn die Paparazzi künftig so gnadenlos jagen wie die Pitts und Clooneys der Welt? Geht er eher den Weg eines Matt Damon, der sein Ego tollen Stoffen und Spitzenregisseuren unterordnet oder ist ein leichter Hang zum Größenwahn wie bei Nicolas Cage auch für ihn eine Karrieregefahr?
Bye, bye, tough guy
Noch steckt der sensible Feingeist jedenfalls geschützt unter der kurzzeitig abgehärteten Hülle. Am Set von „Prince Of Persia“ gefragt, ob er seinen mühsam modellierten Körper auch nach Drehschluss in Form halten wolle, sagt Gyllenhaal schmunzelnd: „Oh nein, die Muskeln gebe ich am letzten Drehtag wieder an der Garderobe ab, denn auf Dauer ist es mir doch ein wenig zu anstrengend, mich so intensiv um Äußerlichkeiten zu kümmern.“
Quelle: GQ / Roland Huschke / Fotos: WDAW



16. Mai 2010, Berliner Morgenpost:
Berliner Morgenpost:
Wenn Ihnen vor zehn Jahren jemand gesagt hätte, dass Sie einmal den "Prince of Persia" in einem Blockbuster spielen ...
Jake Gyllenhaal: ... dann hätte ich vielleicht angenommen, dass das nicht abwegig ist. Immerhin hatten wir damals mit "Donnie Darko" einen sehr viel versprechenden Film, den alle, die ihn gesehen hatten, geliebt hatten.
Berliner Morgenpost: Aber dann kam der 11. September 2001.
Jake Gyllenhaal: Und niemand wollte mehr einen Film sehen, in dem eine Flugzeugturbine in ein Haus kracht, genau so ist es. Aber wie das nun mal so mit guten Filmen ist, sie gehen ihren eigenen Weg und "Donnie Darko" ist heute das, was nur wenige Filme von sich behaupten können: ein Kultfilm.
Berliner Morgenpost: War er für Sie manchmal mehr Fluch als Segen, weil man Sie im Anschluss eher für dramatische Filme gebucht hat?
Jake Gyllenhaal: Eigentlich nur für dramatische Filme. Aber nein, mit "Donnie Darko" verbinde ich so viele schöne Erlebnisse, dass ich nie sagen würde, dass der Film ein Fluch für mich war. Wenn ich mich beschweren müsste, aber das wäre eine Beschwerde auf sehr hohem Niveau, dann wäre es eine Beschwerde an die Produzenten.
Berliner Morgenpost: Warum?
Jake Gyllenhaal: Weil die oftmals keine Fantasie haben. Die haben mich oft blind für dramatische Filme gebucht, ohne mich zu fragen, was ich stattdessen gern machen würde.
Berliner Morgenpost: Das heißt, Sie haben auf so etwas wie "Prince of Persia" die ganze Zeit gewartet?
Jake Gyllenhaal: Nicht auf diesen Stoff speziell. Aber auf etwas, das mich an diesen kleinen achtjährigen Jake erinnert, der für sein Leben gern "Indiana Jones" gesehen hat und der schon damals davon geträumt hat, mal in so einem Film mitspielen zu können.
Berliner Morgenpost: Also, keinerlei Bedenken, bei diesem Blockbuster anzuheuern?
Jake Gyllenhaal: Überhaupt nicht! Das war die Erfüllung eines Kindertraums. Ich konnte mich austoben, ich war für Monate auf einem riesigen Spielplatz, hatte tolle Leute wie Gemma Arterton um mich, konnte mit Sir Ben Kingsley spielen. Hallo, warum sollte ich da zögern?
Berliner Morgenpost: Weil Mike Leigh oder Lars von Trier, die Sie möglicherweise in Ihrer "dunklen Dramaphase" Anfang des Jahrzehnts gesehen haben, nun sagen: "Nein, jetzt macht er uns zu sehr auf Kommerz!"
Jake Gyllenhaal: Ich glaube nicht, dass solche Meister ihres Fachs auf so etwas achten. Wenn die Lust haben, mit einem zu arbeiten, dann dürfte denen relativ egal sein, was man zuletzt gemacht hat. Ich hatte mal so eine Phase, in meinen 20ern, als ich alles, was den Beruf betraf, furchtbar ernst genommen habe. Das war alles andere als gesund. Nein, ich habe nicht das Gefühl, mir mit diesem wilden Ritt meine Zukunft zu versauen.
Berliner Morgenpost: "Prince of Persia" ist nicht gerade ein Charakterstück.
Jake Gyllenhaal: Stimmt, wer das erwartet, sitzt im falschen Film. Aber man sollte folgendes machen: Sich einen Achtjährigen, wenn man gerade selbst keinen hat, aus der Familie oder Bekanntschaft auszuborgen und dann sehen, welchen Spaß der Knirps hat. Das hier ist ein Film für alle Achtjährigen dieser Welt, die noch nicht verlernt haben, zu träumen!
Berliner Morgenpost: Und die etwas Älteren, besonders die Mädels, schauen sich den gut gebauten Kerl an und fragen sich: Wie hat er das gemacht?
Jake Gyllenhaal: Gut, dass ich das endlich mal erzählen kann. Als mir die Rolle angeboten wurde, habe ich angefangen, mir die Haare zu waschen. Und zwar täglich. Und auch erst mit Shampoo und danach mit Conditioner. Bitte nicht durcheinander bringen. Auf jeden Fall sprossen nach einigen Wochen plötzlich die Muskeln. Erst Bizeps, dann Trizeps. Zum Glück konnte ich irgendwann aufhören. Sonst wäre ich nur noch Muskel gewesen. Wollen Sie, dass ich mal mein Jackett ausziehe?
Berliner Morgenpost: Lieber nicht. Und wie war es wirklich?
Jake Gyllenhaal: OK, es klingt weniger prosaisch. Aber ich hatte exakt sechs Monate Zeit, mich auf die Rolle vorzubereiten. Was man da auf der Leinwand sieht, das entspricht exakt dem, was möglich ist, wenn man seinen Körper sechs Monate lang quält. Außerdem, wenn es um die Äußerlichkeiten geht: ja, ich bin gerade ganz gut in Form. Aber das verschwindet auch wieder. Es gibt diese Form der Eitelkeit, der wir alle unterliegen und die keiner erklären kann. Finde ich es gut, wie ich gerade aussehe? Na klar! Vergesse ich darüber, wer ich tief im Innersten bin? Auf keinen Fall!
Berliner Morgenpost: Sie wissen, wie Ihre Branche reagiert. Sie kennen die Medien mittlerweile ganz gut. Wenn jetzt eine Welle heranrollt: "Jake is so hot!"
Jake Gyllenhaal: Dann gehe ich kurz in Deckung, dass mich diese Welle nicht mitreißt und dann lache ich über all die Dinge, die sich Menschen über mich ausdenken werden. Das wichtigste in dieser Branche ist doch, dass man eine gewisse Distanz wahrt. Und diese Distanz habe ich lange und hart trainiert.
Berliner Morgenpost: Apropos trainiert: Kämpfen Sie da selbst mit dem Schwert und rennen Sie auch die Wände hoch, wie man das von der Sportart Parkour kennt?
Jake Gyllenhaal: Den Erfinder von Parkour hatten wir bei uns am Set. Der hat sich immer neue und verrückte Dinge ausgedacht. Das große Problem ist nur, dass die Könner dieser Sportart es so aussehen lassen können, als würden Sie mal eben eine Wand hochfliegen oder riesige Distanzen überwinden. Wenn man das dann selbst nachmachen muss, erkennt man erst, wie viel Übung und Körperbeherrschung dahinter steckt. Ach so, fechten habe ich auch noch gelernt. Zum Glück konnte ich schon ganz gut reiten.
Berliner Morgenpost: Dem Film liegt ein sehr erfolgreiches Videospiel zugrunde. Kann man das zur Vorbereitung benutzen?
Jake Gyllenhaal: Auf jeden Fall. Ich habe alle Leute damit genervt. Immer, wenn ich in den Drehpausen Zeit hatte, bin ich in meinen Trailer und habe dort wie ein Irrer gespielt.
Berliner Morgenpost: Das ist ja etwas anderes - das Spielen zur Unterhaltung.
Jake Gyllenhaal: Nein, nein, warten Sie, ich erkläre es Ihnen. So ein Spiel hat ja einen gewissen Aufbau. Wie es eingeführt wird, wie es an die Spieler herantritt. All das wollte ich herausfinden. Und das schafft man nur, in dem man das Spiel spielt. Lustigerweise bin ich dann immer mal wieder zu unserem Regisseur und habe ihn gefragt: "Mike, da im Spiel ist dieser Esel über den der Prinz spektakulär springt, könnten wir das nicht auch im Film ...? Er war nicht jedes Mal begeistert.
Berliner Morgenpost: Wenn man in so einem großen Sommer-Action-Film mitspielt, bucht man ja das ganze Paket.
Jake Gyllenhaal: Oh ja, ich hatte sechs Monate Zeit, mich vorzubereiten. Wir hatten viel Zeit beim Drehen. Stimmt schon, ich habe den härtesten Beruf der Welt! (lacht)
Berliner Morgenpost: Nein, ich meine etwas anderes. Sie müssen für den Film die Werbetrommel rühren. Und dazu gehört auch, in den USA von Talkshow zu Talkshow zu tingeln.
Jake Gyllenhaal: Schon vergessen: Ich habe ein kindliches Gemüt. Wenn die Fragen zu infantil werden, ziehe ich mich einfach in mein Schneckenhaus des acht Jahre alten Jake zurück. Und alles ist fein. Sie können es gern probieren.
Berliner Morgenpost: Hilft so eine Rolle, in der man unverschämt gut aussieht, die richtige Frau fürs Leben zu finden?
Jake Gyllenhaal: Unfair! Darauf weiß kein Achtjähriger dieser Welt eine Antwort. Aber wenn Fragen wie diese kommen, werde ich versuchen, sie dümmlich wegzulächeln.
Berliner Morgenpost: Was könnte in den nächsten Jahren kommen? Nach der Drama- und der Actionphase?
Jake Gyllenhaal: Ich hätte unglaubliche Lust auf Komödien. Dummerweise haben mir das die Leute bisher nicht zugetraut. Aber jetzt habe ich gerade eine Komödie mit Anne Hathaway abgedreht. Dann gibt es noch weitere Angebote in dieser Richtung. Und vielleicht bucht mich ja mal sogar Mike Leigh und wir machen zusammen eine schöne Komödie. Das wäre toll!
Das Gespräch führte Peter Beddies / Berliner Morgenpost

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16.05.2010 Sexy sein reicht nicht
Jake Gyllenhaal spricht im Interview mit fem.com über Sex-Appeal, Fußball und Frauen, die er nicht beeindrucken kann. Wenn am 20. Mai "Prince of Persia - Der Sand der Zeit" im Kino anläuft, werden Sie Augen machen: Jake Gyllenhaal, der in der Verfilmung des gleich- namigen Videospiels neben Gemma Arterton den "Dastan" spielt, schüttelt mit dieser Rolle sein ewiges "Prince Charming"-Image ab und wird zum muskelbepackten Draufgänger. Vor allem von Jakes optischer Metamorphose wollten wir uns mit eigenen Augen überzeugen und trafen den Schauspieler in London zum Interview. Dort schlug er mit dunkler Jeans, dunkler Jacke und einem blauen Shirt auf (das zufällig die Farbe seiner Augen hatte) und sorgte dafür, dass wir erst einmal alle Interviewfragen vergaßen, die wir so sorgfältig vorbereitet hatten. Nachdem wir, auch Dank Jakes großartiger Ironie, unsere Sprache wieder gefunden hatten, ließ sich der Schauspieler dann doch so einiges entlocken.
Du warst schon im Gespräch, die Rolle des Spiderman und des Batman zu spielen - jetzt bist du endlich ein Superheld. Wie fühlt sich das an?
Superheld, ach was. Ich bin eine doch nur eine Videospiel-ADAPTION (betont das letzte Wort und lacht). Nein, ernsthaft, für mich hat sich mit "Prince of Persia" ein Traum erfüllt, den ich schon mit acht Jahren hatte. So ziemlich jeder kleine Junge, der mit Actionfiguren spielt, träumt davon, auch einmal eine zu sein. Wenn mir damals einer gesagt hätte, dass ich irgendwann einmal den "Prince of Persia" im Kino spielen würde, hey, ich wäre total durchgedreht.
"Prince of Persia" ist die Verfilmung eines Videospiels, hat das beim Dreh irgendetwas verändert?
Für mich war das Ganze ein Riesenspaß. Ich bin jeden Tag zum Filmset gefahren und habe mich dabei gefühlt, als würde ich zu einem Sport-Event fahren, bei dem ich selbst der Teamkapitän bin. Schon Kilometer vor dem Set stehen tausende von Autos am Straßenrand, es gibt eine Armee von Mitarbeitern und es stehen dreißig Meter hohe Kulissen am Set, an denen jedes winzige historische Detail stimmt. Fantastischer kann ein Filmset gar nicht sein, ich habe mich tatsächlich wie ein kleiner Junge gefühlt. Und dabei denken alle Leute, bei so einer großen Produktion ginge es nur ums Geld...
Wie war es eigentlich, mit Bond-Girl Gemma Arterton zusammenzuarbeiten?
Oh, das waren für mich die besten Szenen und die, die am meisten Spaß gemacht haben. Es war alles sehr intuitiv und sehr schnell im Kasten. Schade, dass wir damit so schnell durch waren. Für manche Actionszenen haben wir eineinhalb Monate gebraucht, die Szenen mit Gemma haben wir an einem halben Tag gedreht.
Wie war eure erste Begegnung?
Gemma schien total unbeeindruckt von mir. Ich sah sie an und dachte mir "Hey, du solltest mich eigentlich toll finden, warum tust du es nicht?" So war es von Anfang an zwischen uns, wir waren wir selbst und mussten nichts spielen. Bei Anthony Hopkins heißt diese Art von Chemie zwischen zwei Drehpartnern einfach nur "NAR" - "No acting required."
Auf die Rolle selbst musstest du dich aber sehr intensiv vorbereiten. Wie hast du das angestellt?
Meine Hauptinspiration war natürlich das Videospiel. Jerry Bruckheimer und Mike Newell haben vor allem mit Büchern über die Zeitepoche und den Orient gearbeitet. Außerdem hatten wir Fotos von damals zur Verfügung, äh, Zeichnungen, meine ich.
Und körperlich?
Ich habe etliche Kilos an Muskeln zugelegt, habe mit 'Parkour' eine Art Hindernislauf trainiert und täglich im Fitnessstudio trainiert - exzessiv. Zum Schluss waren meine Schultern und Oberarme so breit, dass ich nicht mal mehr richtig zupacken konnte. Aber ich bin sonst auch sehr aktiv und gut in Form (grinst).
Aber man hat dich nicht nur für die Rolle ausgesucht, weil du optisch dafür wie die Faust aufs Auge passt?
Das hoffe ich. Sexy sein reicht nicht. Ich glaube schon, dass man sich auch eine Rolle wie in "Prince of Persia" verdienen muss. Ganz egal ob du beim Vorsprechen beeindruckst oder aufgrund deiner früheren Filme ausgewählt wirst: Du musst hart dafür arbeiten.
Bei manchen Schauspielern kommt der Ruhm auch über Nacht...
Ja, harte Arbeit ist im Filmgeschäft leider nicht mehr selbstverständlich. In Amerika bist du heute der Superstar und wirst vielleicht morgen fallen gelassen, wie eine heiße Kartoffel. Hier in England zum Beispiel ist die Anerkennung noch eine andere: Man schätzt dich für das, was du dir erarbeitet hast und wie du dich als Schauspieler entwickelt hast.
Wolltest du schon als kleiner Junge Schauspieler werden oder gab es auch andere Träume?
Warte mal...mit sechs Jahren habe ich in mein Tagebuch geschrieben: "Fußball ist mein Leben." Ich war regelrecht verrückt danach.
Wirst du dir die Fußball-WM anschauen?
Na klar, vielleicht werde ich auch zu einem Spiel fliegen. In diesem Jahr darf ich auch zum ersten Mal stolz darauf sein, ein Fan des US-Fußball-Teams zu sein – und dafür kein mitleidiges Lächeln mehr zu ernten. lacht
Im Stadion wirst du ziemlich sicher erkannt werden. Wie gehst du mit dem dem ganzen Ruhm um?
Ich gehe heute damit gelassener um. Ich weiß einfach besser, wer ich bin und was ich will. Vieles von dem, was ich tue, macht mir Spaß, außerdem habe ich Sinn für Humor, das macht es in Hollywood sehr viel einfacher.
Chrissi Hähnel führte das Interview mit Jake Gyllenhaal /Dank an EMJ

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Jake Gyllenhaal: Zuviele Muskeln stören nur!
Am späten Vormittag in Londons Nobelhotel „Dorchester“, Suite 106/107. Jake Gyllenhaal (29) trägt eine beige-olivgrüne Hose, olivgrünes T-Shirt. Und die Haare wieder ganz kurz. Breite Silberkette am Hals, Goldring am kleinen Finger der linken Hand. Tolle Figur: sportlich, durchtrainiert, kein Gramm Fett, allerdings nicht zuuu muskulös. Kein Hüne. Er ist sehr höflich, sympathisch, hat gute Manieren. Offener Blick, freundliche, strahlende Augen.

BILD: Wie haben Sie sich die gewaltige Muskelmasse antrainiert?
Jake Gyllenhaal: „Die Armmuskeln haben sich beim täglichen Haarewaschen aufgebaut. Lange Haare sind wirklich ein hartes Stück Arbeit. Nein, ich habe funktionale Fitness gemacht, weil ich reiten und fechten und generell ziemlich athletisch sein musste. Ich habe rund sechs Monate nur trainiert. Hätte einem ja keiner abgenommen, wenn man untrainiert über Dächer springt.“
BILD: Mit dem Ende der Dreharbeiten war's aber auch bald wieder vorbei mit den Wahnsinns-Muskelpaketen.
Jake Gyllenhaal: „Ich fahr viel Fahrrad und laufe. Da sind große Muskeln eher störend.“
BILD: Waren Sie überrascht, dass man ausgerechnet Ihnen die Rolle angeboten hat?
Jake Gyllenhaal: „Irgendwie schon. Ich bin nicht der auf den ersten Blick offensichtliche Kandidat für die Rolle. Das war das Spannende daran.“
BILD: Haben Sie sich nach einer solchen Blockbuster-Rolle gesehnt?
Jake Gyllenhaal: „Ja. Nein, wirklich. Ich wollte seit Langem eine Rolle in einem Action-Film haben. Ich bin mit Filmen wie ‚E.T.‘ groß geworden, die heute Klassiker sind, die die Filmbranche verändert haben. Die haben mich inspiriert, die habe ich geliebt. Als ich mit dem Filmemachen angefangen habe, war ich einfach nur cool. Mit zunehmendem Alter wollte ich auch mehr Spaß haben und zu den Sachen zurückkehren, die ich als Kind geliebt habe. Das trifft auf einen Streifen wie ‚Prince of Persia‘ zu.“
BILD: Haben Sie einen Lieblings-Action-Helden?
Jake Gyllenhaal: „Ich liebe Indiana Jones. Er ist DER Action-Held für mich. Weil er leidet, frustriert ist und Humor hat – aber am Ende durchkommt.“
BILD: Es gibt Szenen, da erinnert sein Prinz ein bisschen an Johnny Depps Captain Sparrow aus „Fluch der Karibik“...
Jake Gyllenhaal: „Ach, wirklich? Das war gar nicht beabsichtigt. Aber das höre ich gern. Ich nehme das als Kompliment.“
BILD: Ihr nächster Film?
Jake Gyllenhaal: „Da spiele ich einen Pharma-Vertreter, der Mitte der 90er-Jahre Viagra-Pillen verkauft.“
BILD: Sind Sie noch immer Single?
Jake Gyllenhaal: „Ja, bin ich.“
BILD: Aber eine Familiengründung ist irgendwann geplant?
Jake Gyllenhaal: „Definitiv.“
BILD: Was bedeutet der Ring am Finger?
Jake Gyllenhaal: „Den hab ich schon lange. Carpe diem (Nutze den Tag) steht da drauf. Es ist eine Art Mahnung.“ (Er lacht)
BILD: Meinen Sie, dass Ihre Fans überrascht oder geschockt auf Jake Gyllenhaal als Action-Helden reagieren werden, wo Sie viele doch als verklärten schwulen Cowboy aus „Brokeback Mountain“ im Kopf haben?
Jake Gyllenhaal: „Ich hoffe beides. Hoffe ich immer. Ich genieße Kritik genau so sehr wie Schmeicheleien. Natürlich kann so ein großer Film nicht das ganze Publikum ansprechen. Viele der Videospieler, die das Original ‚Prince of Persia‘ mögen, haben sich gefragt: ‚Was hat der Typ denn in diesem Film zu suchen?‘. Und ich glaube, wenn gewisse Menschen ein Bild von dir haben, wer du bist, was du darstellst – und dann ändert sich das, dann kann das für viele zumindest Anlass sein, auch die Haltung zu ändern.“
BILD: Ihr Freund und „Brokeback“-Filmpartner Heath Ledger starb 2008. Hat das Ihre Sicht aufs Leben verändert?
Jake Gyllenhaal: „Es klingt irgendwie komisch: Das, was ich bis dato so wichtig genommen hatte, wurde noch wichtiger in meinem Leben. Ich meine damit meine Arbeit. Sie wurde noch bedeutender, weil ich fühlte, dass das, was Heath geleistet hatte, so außergewöhnlich und inspirierend war. Deshalb will ich als Schauspieler immer besser werden. Auf der anderen Seite wurde mir als Mensch klar, dass es nur mein Job ist. Ich glaube, dass es – vor allem in der Filmbranche – Menschen gibt, die denken, sie würden nie altern, nie sterben. Heath ist viel zu früh von uns gegangen. Ich habe gemerkt, zwischen Arbeit und Leben zu unterscheiden.“ Quelle: BILD.de


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