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Brothers - Media

Brothers - Zwischen Brüdern

Brothers - Kritiken


Der Film:
In Afghanistan wird Sams Helikopter abgeschossen. Das US-Militär kann ihn nicht bergen und erklärt Sam daraufhin für tot. Grace und ihre beiden Töchter lässt diese Nachricht wie gelähmt zurück - den Alltag meistern sie nur schwer und dank des Beistands der ganzen Familie. Auch Thommy, Sams Bruder und eigentlich das Schwarze Schaf der Familie, steht ihnen zur Seite und versucht, die drei zu stützen und Verantwortung zu übernehmen. Seine Anwesenheit scheint den Kindern gut zu tun und sogar Grace beginnt, ihn mit anderen Augen zu sehen.
Doch dann die schockierende und erlösende Nachricht zugleich: Sam ist nicht tot. Als er – gezeichnet von der grausamen Gefangenschaft – in die Heimat zurückkehrt, hat sich alles verändert: Seiner Familie begegnet er verschlossen, feindselig und vor allem misstrauisch. Thommy, der in seinem Leben eine neue Rolle gefunden hat, gerät in Sams Visier. Er beginnt einen Kampf zu führen, der die Grundfeste der gesamten Familie erschüttert…



(...)Das Drehbuch zu diesem Streifen mit Hollywood-Staraufgebot stammt aus der Feder von David Benioff ("Der Drachenläufer'") in Anlehnung an den dänischen Film "Brødre". Doch die Probleme von "Brothers" sind global und Regisseur Jim Sheridan hätte gut daran getan, sie so zu inszenieren. Denn die politische Perspektive und arg patriotische Haltung, die er hier an den Tag legt, ist alles andere als kritisch. Dabei sollte es in "Brothers" nicht um die Schlacht und Gut oder Böse gehen, sondern um die Auswirkungen, die der Krieg auf uns alle hat – auf die Soldaten ebenso wie die Daheimgebliebenen. Immerhin gelingt Sheridan eine sensible Inszenierung des Stellvertreterkonflikts zwischen den beiden Brüdern.(...) Quelle: unikosmos


Aus Bruderliebe wird Bruderhass
„Brothers“: Düster, intensiv und hochemotional. Die begabten Stars geben alles in diesem packenden Psycho- und Familiendrama. Quelle: Bild.de


Psycho-Seifenoper
Noch so ein Kriegstrauma-Drama könnte man abwinken. Erst recht, als es sich hier um das Hollywood-Remake einer völlig verquasten dänischen „Dogma“-Vorlage handelt. Doch dem Iren Jim Sheridan („Der Boxer“) gelingt ein packendes Familiendrama – mit verunglücktem Seifenoper-Start und kleineren Klischee-Klippen. „Spiderman“ Maguire zieht als Mustersoldat und Familienvater zum vierten Mal nach Afghanistan. „Brokeback Mountain“-Cowboy Jake Gyllenhaal spielt seinen Versager-Bruder Thommy, der aus dem Gefängnis entlassen wird. Als Sams Helikopter abgeschossen wird, erklärt man ihn für tot. Thommy übernimmt die Vaterpflichten – und verliebt sich in die hübsche Schwägerin Grace (Natalie Portman). Doch Sam kehrt nach monatelanger Gefangenschaft und Folter zurück. Traumatisiert mutiert der einstige Sunnyboy zum misstrauischen Psychopathen, zur tickenden Zeitbombe... Gyllenhaal und Portman bieten Bestleistung wie gewohnt. Selbst Maguire läuft unter Schauspiel-Regisseur Sheridan zu Hochform auf. Ihre Glaubwürdigkeit macht das Familiendrama zur packenden Psychostudie – auch jenseits von Afghanistan. Quelle: subway.de

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Sensibles Drama über die schrecklichen Nachwirkungen des Kriegs
Mit "Brothers", der amerikanischen Adaption des dänischen Independent Movies "Brødre" von Susanne Biers, beweist Regisseur Jim Sheridan abermals sein untrügliches Gespür für eindrucksvolle und berührende Familiendramen. Mit gezielter Emotionalität, die nur in wenigen Momenten leicht ins Melodramatische abgleitet, schildert Sheridan die verheerende Auswirkung von Krieg auf die Stabilität und Dynamik innerhalb familiärer Strukturen, ohne dabei eine allzu erdrückende Atmosphäre heraufzubeschwören. Bewegend und absolut authentisch, ist der Film mehr als reines Unterhaltungskino und unbedingt sehens- wie empfehlenswert. Quelle:T-online


Genauer Blick in eine zertrümmerte Seele
Tobey Maguire brilliert in dem Politdrama "Brothers" als traumatisierter Soldat. Der Film ist nicht kitschig, nicht übertrieben, dafür packend. Quelle: Hamburger Abendblatt
Einfühlsames Remake
Jim Sheridan ("In America") liefert ein einfühlsames Remake des vielbeachteten Kriegsdramas "Brothers – Zwischen Brüdern" der Dänin Susanne Bier. Quelle: NDR

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Kritik • critic.de
(...)Es "stellt sich heraus: Über den Vergleich zwischen Original und Remake ergeben sich zwar anregende Beobachtungsperspektiven, diese reichen jedoch nicht aus, um die Existenz von Jim Sheridans enttäuschendem Film zu rechtfertigen."(...)
Kritik • negativ-film.de
(...) "Zwar stellt BROTHERS () keinen Meilenstein im Genre des Heimkehrerdramas dar, doch sind es die herausragenden Schauspielerleistungen, die den Film sehr sehenswert machen, wobei die beiden Mädchen die erwachsenen Kollegen an vielen Stellen noch zu überbieten wissen. Ihr Schmerz angesichts der Veränderung des Vaters und die Verlustängste um ihren liebgewonnen Onkel sind das, was am meisten berührt und im Gedächtnis haften bleibt."(...)
Kritik • kultiversum.de
(...)"Die Ausrutscher der beiden als Missetaten zu werten, setzt ein sehr blaustrümpfiges Moral-Verständnis voraus. Solche gut protestantischen Schuld-und-Sühne-Grübeleien haben im skandinavischen Kino Tradition seit Ingmar Bergman, doch erreichen sie selten seine existentielle Intensität. In der Hochglanz-Ästhetik eines handwerklich perfekten Hollywood-Films wirkt dieser moralinsaure Eifer verfehlt. Die seelischen Versehrungen an der Heimatfront hat Oren Moverman 2009 mit THE MESSENGER () deutlich dargestellt. Zum Thema Kriegsfolgen liefert BROTHERS () nur eine vorhersehbare Erbauungs-Fabel."(...)
Kritik • getidan.de
(...) "Ohne vordergründige Agitation strafen sie alles Gerede von gerechten, unausweichlichen, notwendigen Kriegen, Lüge. Eine brillante Ensembleleistung. Die Akteure ermöglichen es dem Regisseur, ganz vieles unausgesprochen zu lassen. Man sieht ihnen an, was das Verbrechen sanktionierten Mordens auch aus Nichtbeteiligten machen kann. Die Leere in ihren Augen, wenn der Schrecken sie im Würgegriff hält, wird wohl niemand vergessen."(...)
Kritik • schnitt.de
(...) "Seine feine Intelligenz entwickelt Jim Sheridans Film dann auch nicht aus einer vordergründigen Frage nach Schuld oder Verantwortung, sondern aus einer in soziologischen Widersprüchen verfangenen Suche der Protagonisten zwischen Ehrlichkeit, Vertrauen und Verlustängsten. Hier dringt BROTHERS () mit Bedacht und doch stets präzise tief in die Seelenwelten seiner Charaktere ein, wenn auch nie mit anderen Mitteln als denen des Genres."(...)
Kritik • textezumfilm.de
(...)Nicht Kriegskritik steht im Mittelpunkt des Spielfilmes, sondern eher die seelischen Wunden, die der Krieg hinterlässt, meint José García. "In dieser Hinsicht geht die Neuverfilmung gar einen Schritt weiter als das dänische Original, weil Jim Sheridans Film den kausalen Zusammenhang zwischen Sams Erlebnissen in der Gefangenschaft und dem Familiendrama stärker betont. Die Verarbeitung des vom heimkehrenden Soldaten Erlebten steht somit im Mittelpunkt von BROTHERS (). Ein Sujet, das bereits der Vietnamkriegsfilm kennt und nun für den Afghanistan- und Irakkrieg aktualisiert wird."(...)
Kritik • bummelkino.de
(...)"Das großartig aufspielende Trio – Jake Gyllenhaal, Natalie Portman und Tobey Maguire mit seiner wohl bisher besten schauspielerischen Leistung – verschaffen diesem intensiven und bisweilen schmerzhaften Drama eine außergewöhnliche Tiefe. Gerade den Ex-Spiderman wird man als krankhaft eifersüchtigen und von verdrängten Schuldgefühlen aufgefressenen Veteran, der erst wie ein Zombie durch die frisch renovierte Einbauküche seines Zuhauses wandelt und diese später umso kraftvoller demoliert, so schnell nicht vergessen."(...)
Kritik • doppelpunkt.de
(...)Mit beklemmender Bravour und Präzision präsentiert das Trio seine Stimmungslage, lobt Dieter Oßwald. "Grace reagiert mit verzweifelter Ohnmacht auf die unterschwellige Aggression ihres Mannes. Der Schwager erträgt alle Angriffe zunächst mit stoischer Gelassenheit. Bis die beiden Töchter das Fass schließlich zum Überlaufen bringen. Jake Gyllenhaal und Natalie Portman bieten Bestleistung wie gewohnt. Selbst Tobey Maguire läuft unter Schauspiel-Regisseur Jim Sheridan zu Hochform auf. Ihre Glaubwürdigkeit macht das Familiendrama zur packenden Psychostudie – auch jenseits von Afghanistan."(...)
Kritik • cineman.de
(...) nicht nur eine Dreiecksgeschichte zwischen konkurrierenden Brüdern, sondern viel mehr die Bestandsaufnahme heimgekehrter Soldaten im achten Jahr nach Beginn des Afghanistan-Kriegs. Jim Sheridan gelingt es dabei, die erlittenen Traumata seiner Figuren an verschiedenen Fronten zu skizzieren und emotional einzuordnen. So hat etwa auch Sams und Tommys Vater Hank (Sam Shepard), ein altgedienter Marine, mit den Folgen des Krieges zu kämpfen, die er konstant in Alkohol zu ertränken versucht."(...)
Kritik • programmkino.de
(...) die "größte Überraschung des Films Tobey Maguire. Gerade in den Szenen nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft zeigt der einstige Spiderman ein überraschendes Maß an unterschwelliger Aggression, die einen erschreckend realen Eindruck davon vermitteln, wie der Krieg die Psyche von Soldaten zerstören kann. Und so reiht sich BROTHERS () in die inzwischen recht lange Liste von Filmen über die aktuellen amerikanischen Kriege ein, die zwar nicht an der Kinokasse erfolgreich, aber dennoch nicht weniger sehenswert sind."(...)
Kritik • agenda.derbund.ch
(...)Bei allen Anpassungen auf die US-Situation ist es Regisseur Jim Sheridan anzurechnen, dass er das kühle dänische Original der früheren Dogma-Filmerin Susanne Bier nicht mit romantischem Schmalz verklärt. Hollywood ist dank Starbesetzung präsent: Natalie Portman brilliert nach Rollen als Killerin, Königin, Stripperin und Rächerin nun auch als Ehefrau und Mutter, Tobey Maguire beherrscht diesen irren Blick, und Jake Gyllenhall verkörpert den verruchten Bruder mit Bart und Lederjacke cool. Ein idealer Cast für diesen unamerikanisch pathosarmen, berührenden Film."(...)
Kritik • cineast.ch
(...)"Der niemanden überraschende Twist ist natürlich, dass Sam überlebt hat und gefangen genommen wurde. Natürlich, da Tobey Maguire als hochdotierter Schauspieler und einem der drei Namen über dem Filmtitel nicht nach einer runden Viertelstunde schon aus dem Film verschwinden kann. Auch der weitere Filmverlauf hat kaum noch Überraschungen zu bieten. Tobey Maguire überrascht allerdings durchaus in dieser für ihn sehr untypischen Rolle. Er vermag über die übrige, solide Besetzung hinauszuragen - selbst wenn er leider gerade in manchen klimatischen Szenen nicht die erforderliche Intensität erreicht."(...)
Kritik • nahaufnahmen.ch
(...)Auch wenn BROTHERS () eigentlich alles richtig macht, um ein erstklassiges Remake zu sein, wirklich begeistert verlässt Lukas Hunziker "das Kino dennoch nicht. Was trotz der nüchternen, sehr subtilen Umsetzung der Geschichte nicht ganz funktioniert, ist die Sympathie, die man als Zuschauer wohl für Sam haben sollte. Einen amerikanischen Soldaten und dessen armeebegeisterte Familie zu bedauern, dürfte so manchem Zuschauer bei uns schwer fallen. So manchen dürfte es ärgern, dass die Taliban teilweise aussehen wie die geschminkten Wüstenkrieger."(...)
Kritik • outnow.ch
(...)"Susanne Biers Version verzichtete auf billige Erklärungen, weshalb die Liebesgeschichte und das Soldatenschicksal sich in etwa die Waage hielten. Die Liebe kommt bei Jim Sheridan auch deshalb etwas zu kurz, weil Natalie Portman fad bleibt. Er endet stattdessen seinen Film mit einem Zitat des spanischen Philosophen George Santayana: "Nur wer stirbt, hat das Ende des Krieges erlebt". Eine bei Soldaten sehr beliebte Quote. Diese Fokussierung auf das Militärische macht, dass das Original unerreicht bleibt. Dass der Krieg Schlimmes mit Soldaten anstellt, hat THE HURT LOCKER () faszinierender geschildert als dieses Melodrama." (...) Quelle: www.film-zeit.de

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amazon-Kritiken

Juli 2011

eingestellt von: Doreen

Bei Amazon sind mir zwei umfangreich und gut formulierte Filmrezensionen aufgefallen, die ich gern hier mit veröffentlichen möchte. Vielen Dank an die Autoren.

 

5 von 5 Sternen Eine amerikanische Familie, 2. April 2011

Von Martin Ostermann "ostermannm"

 

Dem Titel entsprechend werden gleich zu Beginn beide Brüder charakterisierend eingeführt: Bevor Sam, Captain in der U.S. Army, zu seinem zweiten Einsatz in Afghanistan aufbricht, schreibt er an seine Frau Grace einen Brief, den diese im Falle seines Todes zugestellt bekommt. Er versichert ihr, dass das Einzige, dessen er sicher in dieser Welt sein kann, seine Liebe zu ihr ist. Gleich danach wird er zusammen mit Frau und beiden Töchtern gezeigt: Eine glückliche amerikanische Familie. Nun sehen wir Tommy - wie er gerade aus dem Gefängnis entlassen wird und sich grinsend von seinen Mitgefangenen verabschiedet. Am Tor holt ihn Sam ab, während die beiden sich umarmen wird der Titel "Brothers" eingeblendet.
Allein diese Grundkonstellation - disziplinierter Familienvater und aus der Bahn geratenes schwarzes Schaf sind ungleiche Brüder - böte schon einiges an Erzählstoff, aber "Brothers" baut darauf die Geschichte von der seelischen Verletzung durch den Krieg auf, die in ihrer Langzeitwirkung und der destruktiven Kraft auf alle umgebenden Menschen katastrophaler wirkt als die Kriegshandlungen selbst.
Während Sam nach einem Helikopterabsturz als tot gilt, nähern in der Heimat seine Frau, die Kinder und sein Bruder Tommy sich einander an. Die Todesnachricht scheint auch Tommy endlich aufgeweckt zu haben: Er renoviert die Küche der Familie und findet wieder Zugang zu seinem Vater, mit dem er sonst ständig stritt und der ihn als Verlierer verachtete. Als der bis dahin 'nur' gefangene und in der Gefangenschaft zu einer schrecklichen Tat gezwungene Sam wieder heimkehrt, müssen alle ihren Platz neu finden. Sam ist ein anderer Mensch und ein Anknüpfen an das vergangene Leben gelingt so nicht mehr. Auch Tommy beansprucht seinen Platz im Familienleben, denn die Töchter lieben ihn bereits mehr als ihren - nun ihnen Angst machenden - Vater und so steht die Familie vor einer Zerreißprobe.
Jim Sheridan (In America, Im Namen des Vaters, Mein linker Fuß) hat zwar ein Remake des gleichnamigen dänischen Films Brothers - Zwischen Brüdern von Susanne Bier gedreht, aber er hat, obwohl viele Szenen identisch sind, eigene Akzente gesetzt. Während im Original der Schwerpunkt ganz auf der psychologischen Seite liegt und diese hervorragend und tiefgehend herausgearbeitet wird, betont Sheridan den amerikanischen Aspekt: Nach Vietnam sind die Kriege in Afghanistan und dem Irak erneut eine harte Probe für das amerikanische Selbstbewusstsein, denn ein Siegesgefühl ist kaum vorhanden. Vielmehr wächst das Bewusstsein dafür, wie schmerzlich der Krieg in die heimische (Familien-)Welt eingreift und das Trauma Einzelner zu einem nationalen Trauma sich auswächst.
Obwohl die Kriegswelt in Afghanistan lange Zeit die Filmerzählung prägt, ist "Brothers" doch eher ein Familienfilm. Eine amerikanische Familie, die durch das Militär geprägt ist, denn auch der Vater war bereits Soldat in Vietnam, kämpft mit dem inneren Zusammenhalt. Es geht darum, das Richtige zu tun und zugleich zu erkennen, dass es keine reinen Erfolgsgeschichten im Leben gibt. Durch den Krieg legt sich ein dunkler Schatten auf die Ehe des ehemaligen Quarterbacks mit der Cheerleaderin, die nun ihre Liebe gegen die Dämonen von Schuld und Gewalt erneut unter Beweis stellen müssen.
Nicht zuletzt sind es die hervorragenden schauspielerischen Leistungen von Jake Gyllenhaal (Tommy Cahill), Natalie Portman (Grace Cahill), Tobey Maguire (Capt. Sam Cahill) und Sam Shepard (Vater Cahill), aber auch der Kinder Bailee Madison (Isabelle Cahill) und Taylor Geare (Maggie Cahill) die den Film sehr sehenswert machen. Dieses Remake ist eines der raren Beispiele dafür, dass eine eigenständige Interpretation eine sehr gute Geschichte mehrfach sehenswert erscheinen lässt.
 

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Filmrezension von MissVega auf amazon.de und ciao.de

 

3 von 5 Sternen Love and War, 28. Mai 2011

Von MissVega (Hamburg) 

 

Die beiden Brüder Sam (Tobey Maguire, "Spider-Man", "Pleasantville") und Tommy (Jake Gyllenhaal, "Brokeback Mountain", "Source Code") könnten unterschiedlicher kaum sein. Sam ist Berufssoldat und ist in Einsätzen in Afghanistan zum Helden avanciert. Er ist mit Grace (Natalie Portman, "Black Swan", "Thor") verheiratet und hat zwei Töchter. Tommy hingegen ist schon früh auf die schiefe Bahn geraten und hat gerade eine Haftstrafe wegen Bankraubs abgesessen. Vater Hank hat denn auch seine Sympathien sehr ungleich zwischen seinen beiden Söhnen aufgeteilt. Der ehemalige Vietnam-Veteran liebt seinen Sohn Sam über alles und hat für Tommy nur Verachtung und Enttäuschung übrig. Als Sam eines Tages nach einem Einsatz für tot erklärt wird, geschieht Erstaunliches. Tommy wandelt sich vom Herumtreiber und Taugenichts zum fürsorglichen Freund von Grace, der in der Zeit der gemeinsamen Trauer für sie und ihre Töchter da ist. Er hilft ihr im Haus, kümmert sich um ihre Kinder und versucht darüber hinaus, seinem Leben endlich einen Sinn und eine Richtung zu geben. Parallel zu dieser Entwicklung erfährt der Zuschauer, dass Sam gar nicht tot ist, sondern von einheimischen Rebellen gefangen genommen und gefoltert wurde. Schwer traumatisiert kehrt er eines Tages nach Hause zurück und muss feststellen, dass sein Bruder scheinbar seinen Platz eingenommen hat. Doch nicht nur Tommy hat etwas getan, was er nicht hätte tun dürfen, auch Sam hat so große Schuld auf sich geladen, dass er und seine Familie daran zu zerbrechen drohen. Die häusliche Situation spitzt sich mehr und mehr zu, bis sie in einer folgenschweren Eskalation der Emotionen gipfelt.

In den Extras der Scheibe erfährt man Einiges über die Motivation des Regisseurs und des Teams, dieses Remake zu drehen. Es ist von einer Verlagerung des Fokus von den ungleichen Brüdern auf die interfamiliäre Situation die Rede, vom Wunsch, diesen tollen europäischen Film auf ein amerikanisches Publikum zuschneiden zu wollen und ihm somit nahe bringen zu können und von der Optimierung der Story, die laut Sheridan im Original einige kleine Denk- und Umsetzungsfehler hat. Warum ausgerechnet Jim Sheridan, dem man auch nach 25jährigem Leben in den USA seinen irischen Akzent noch deutlich anhört, sich bemüßigt gefühlt hat, einen an sich perfekten, tiefgründigen und hochemotionalen Film zu "amerikanisieren", weiß der Himmel. Not getan hätte es nicht, aber der Durchschnittsamerikaner ist offensichtlich immer noch nicht offen und intelligent genug, ausländische Kinoproduktionen entsprechend zu begreifen, einzuordnen und zu würdigen. Also nimmt man amerikanische Darsteller, ein amerikanisches Umfeld und auf Amerika umgemünzte Probleme, damit auch in La La-Land ordentlich die Kasse klingelt und man den Amis nicht erklären muss, wo Dänemark liegt und dass es auch außerhalb Amerikas ganz großartige Schauspieler gibt.

Nun denn... Glücklicherweise hat Sheridan bei Cast & Crew ein glückliches Händchen bewiesen, so dass "Brothers" als recht stimmiges und authentisches Remake von "Brødre" angesehen werden kann. Tobey Maguire spielt zwar recht steif und sieht in jeder Einstellung aus wie ein kränkelndes, gerupftes Küken, aber Natalie Portman und Jake Gyllenhaal können durch ihre Optik und ihr Talent mühelos darüber hinweg täuschen. Besonders Portman gelingt der emotionale Spagat zwischen Trauer, innerer Zerrissenheit und Überforderung grandios. Doch auch Gyllenhaals unaufgeregtes und doch eindringliches Spiel kann überzeugen. Auch kam es mir so vor, als ob sich Sheridan doch recht nah an das Original von 2004 gehalten hat. Soweit ich mich an "Brødre" von vor sieben Jahren erinnere, hat er keine allzu großen Veränderungen vorgenommen und teilweise sogar ganze Einstellungen und Dialoge originalgetreu übernommen. Die Dinge, die er geändert hat, fallen meiner Ansicht nach nur marginal ins Gewicht, auch wenn Sheridan das im Interview anders zu sehen scheint.

Und dennoch..."Brothers" ist nicht so gut wie "Brødre". Er erreicht zu fast keinem Zeitpunkt dessen Intensität, emotionale Wucht und glaubhaft visualisierte Verwundbarkeit. Maguire wird im Original von Ulrich Thomsen gespielt, dem es weitaus besser gelingt, seine Scham, Wut und emotionale Zerstörung darzustellen. Und auch Nikolaj Lie Kaas, der im Remake von Gyllenhaal dargestellt wird, ist ein besserer schlechter Bruder. Im gelingt ein nuancierteres Spiel, er verfügt über eine viel größere emotionale Bandbreite in seiner Rolle, als sie Gyllenhaal in der 2009er Version zugestanden wird. Trotz offensichtlichem Bemühen Sheridans, hier sensibel und gefühlsbetont vorzugehen und dem Zuschauer einen Einblick in eine durch Krieg traumatisierte und zerstörte Familie zu geben, bleibt "Brothers" erschreckend oft belanglos und oberflächlich. Zu routiniert werden hier Emotionen abgespult oder abgespielt, als dass sie wirklich beim Zuschauer ankommen. Ob dazu auch das verschlafene, typisch amerikanisch Örtchen, in dem der Film spielt oder der überpatriotische Vater (Sam Shepard, "Paris, Texas") der Brüder beitragen, sei dahingestellt. Vielleicht liegt es einfach daran, dass man uns Europäern nicht so viel erklären muss, nicht jede Gefühlsregung visualisieren oder aussprechen muss und uns ruhig mit komplexen Erzählsträngen behelligen darf, ohne uns damit zu überfordern. "Brothers" wirkt irgendwie reduziert, als würde ihm etwas fehlen. Glaubwürdigkeit? Tiefgründigkeit? Ich bin nicht sicher.

"Brothers" ist ein ganz guter Film, wenn man das Original nicht kennt. Cast und besonders der Score sind stimmig und größtenteils überzeugend. "Brothers" ist ein nicht mehr so guter Film, wenn man das Original kennt, weil einem die Unterschiede und Defizite auffallen, wenn auch eher unbewusst und man sie vielleicht gar nicht richtig in Worte kleiden kann. "Brothers" ist ein toller Film, wenn man Amerikaner ist und in der Regel nicht groß über den cineastischen Tellerrand schaut und somit vorrangig inländische Produktionen konsumiert. "Brothers" ist kein toller Film, wenn man Europäer ist und von Produktionen mit solch wuchtigem emotionalen Inhalt einfach mehr erwartet, weil man schon bessere gesehen hat. Letztendlich bleibt zu Vieles ungesagt und Gefühle und Traumata werden nur im Ansatz nachvollziehbar, so dass "Brothers" solide Handwerksarbeit ist, der aber irgendwie ein bisschen das Herz fehlt. Somit zumindest drei von fünf Brüdern, die sich einfach mal richtig aussprechen sollten.

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