Soundtrack
OSCAR Gewinner 2006
Logischerweise Countrymusik untermalt "Ang Lees bildgewaltiges Western-Drama um die homosexuelle Romanze zwischen einem US-Schafzüchter und -Rodeoreiter" (Der Spiegel). Es sind größtenteils Szene-Stars, welche auf diesem Soundtrack entweder Genre-Klassiker oder neue Lieder eines argentinischen (!) Score-Komponisten interpretieren. Sein von Emmylou Harris gesungenes "A Love That Will Never Grow Old" erhielt 2006 einen Golden Globe als bester Filmsong!
Der unkonventionelle Streifen, welcher auf Basis der gleichnamigen Kurzgeschichte aus der Feder von Annie Proulx (Schiffsmeldungen) entstand, spielt anno 1963 in Wyoming. Der 44. US-Bundesstaat hat mit dem "Yellowstone Nationalpark" ein weltberühmtes Touristenziel. "Wyoming" ist übrigens die englische Form der aus der Sprache der Delaware-Indianer stammenden Bezeichnung für "Ort der großen Ebene". Deshalb ist dort, wo pro Quadratkilometer zwei Einwohner leben, die Landwirtschaft eine wesentliche Einnahmequelle. Und es gibt natürlich Cowboys, die die Rinder und Schafe auf den großen Weideflächen betreuen. Angesichts dieser Voraussetzungen liegt es auf der Hand, dass hier viel Country gehört wird. Dadurch war auch die stilistische Richtung des Soundtracks vorgegeben.
Erstaunlich allerdings, dass als Score-Komponist ein Argentinier verpflichtet wurde. Gustavo Santaolalla, in dessen Diskographie die Musik zu Die Reisen des jungen Che und 21 Grams steht, machte sich als Co-Produzent für den kolumbianischen Sänger Juanes und die mexikanische Band Molotov einen Namen. Ging der mittlerweile in Kalifornien lebende Mann aus Buenos Aires bei seinen früheren Scores eher experimentell zur Sache, so wirken die fünf Country-Titel, die er für Brokeback Mountain-CD geschrieben hat, vorhersagbar und konventionell. Nichts Neues also!
Seinen Score ließ er mit einem aus akustischer Gitarre, Pedal-Steel-Gitarre sowie kleiner Streicher-Sektion bestehendem Ensemble aufnehmen. Dieser Spagat zwischen Country-Elementen und Orchestralem ist äußerst minimalistische Musik, verströmt eine starke Atmosphäre, und ist nicht nur hörenswert, sondern auch ein sehr interessantes Unterfangen. Schade nur, dass es die sieben Instrumentals gerade mal auf eine Gesamtlaufzeit von dreizehn Minuten bringen. Das bedeutet, dass das einzelne Stück selten die Zwei-Minuten-Grenze erreicht!
Und was gibt es über einige der restlichen fünf Songs zu sagen? Willie Nelsons intensive, fragile Akustik-Version von Bob Dylans "He Was A Friend Of Mine" fällt ebenso positiv auf wie Rufus Wainrights Kooperation mit Teddy Thompson bei der lässig-swingenden Variante des Ohrwurms "King Of The Road". Die Hinzunahme diverser betagter Hits wie Linda Ronstadts Buddy-Holly-Cover "It's So Easy" von 1977 oder Steve Earles "The Devil's Right Hand" (1987) war allerdings überflüssig.
Dieser Soundtrack dürfte Country-Fans zurecht begeistern! Über die erwähnten Kritikpunkten sollte aber nicht hinweggesehen werden. Und genau deshalb fällt das Gesamturteil leicht zwiespältig aus. Der Film selbst ist übrigens, wenig überraschend, vor allem bei Amerikas Konservativen höchst umstritten und löste erregte Diskussionen aus. Sie können - wie der die moralischen Werte der US-Bürger propagierende Produzent Michael Class - "nicht verstehen, was an einem Streifen positiv sein soll, in dem die Sexualität der Hauptperson eine Familie zerstört!"Thomas Hammerl Aus der Amazon.de-Redaktion
Gustavo Santaolalla
Gustavo A. Santaolalla (* 19. August 1952 in Buenos Aires) ist ein argentinischer Musiker, Musikproduzent, Songschreiber und Filmkomponist. Er gilt als Mitbegründer des lateinamerikanischen Rock en Español und ist seit den 1980er Jahren in der internationalen Musikindustrie als erfolgreicher Entdecker und Förderer von Künstlern aus Lateinamerika bekannt. 2005 wurde Santaolalla vom Time Magazine unter die 25 einflussreichsten Lateinamerikaner in den USA gewählt.
Bandmitglied und Produzentenrolle
Gustavo Santaolalla wuchs in seiner Kindheit mit amerikanischer Musik von Nat King Cole bis hin zu den Beach Boys auf, bevor er sich selbst dazu entschied eine musikalische Laufbahn einzuschlagen.
Dem Rock'n Roll und der lateinamerikanischen Kultur sehr zugetan, avancierte er als Band-Leader der 1967 gegründeten Gruppe Arco Iris zu einer der Schlüsselfiguren des argentinischen Rock. Santaolalla gilt als Pionier im Verschmelzen von Rock und lateinamerikanischen Folk, dem so genannten Rock en Español, obwohl auch Jazz und afrikanische Einflüsse zum damaligen Zeitpunkt seinen Musikstil mitbestimmten. Mitte der 1970er Jahre gründete Santaolalla die Gruppe Soluna, ehe er sich im Jahre 1978 (andere Quellen sagen in den 1980er Jahren) entschied in die USA zu übersiedeln. Hier sammelte er als Band-Leader der Punk-Gruppe Wet Picnic erste Erfahrungen auf dem amerikanischen Musikmarkt, ehe er sich als Musikproduzent betätigte. Gemeinsam mit seinem Berufskollegen Anibal Kerpel, gründete er die Plattenfirma Surco Records, ein Joint Venture mit Universal Music. Als Präsident des Musiklabels Surco kam der große Erfolg und Santaolalla gilt heute als Entdecker und Förderer von so bekannten lateinamerikanischen Künstlern und Gruppen wie Juanes, Molotov, Café Tacuba, Caifanes, Maldita Vecindad, Davididos, Bersuit, La Vela Puerca, Puya, Arbol, El Otro Yo, Fiebre und Dracma. 2003 erhielt er drei Grammy-Nominierungen für die Alben von Juanes und Orishas und als Produzent des Kronos Quartet-Albums Nuevo. 2004 gewann er den Grammy als Produzent des Stückes "Cuatro Caminos" von Café Tacuba. Seine Solokarriere startete Santaolalla 1981 mit seinem Album "Santaolalla", dem 1995 das nach seinen Namensinitialen benannte "GAS" mit dem erfolgreichen Stück "Todo Vale" folgte. Seinen Durchbruch feierte er ein Jahr später mit den Instrumentalstücken seines Albums "Ronroco", das großartige Kritiken erhielt.
Karriere als Filmkomponist
Seine Arbeit als Filmkomponist begann mit der Zusammenarbeit des mexikanischen Regisseurs Alejandro González Iñárritu. Für die Musik zu dessen Episodenfilm Amores Perros, der von der Kritik hochgelobt wurde, erhielt Santaolalla 2001 eine Nominierung für den Premio Ariel, den bedeutendsten mexikanischen Filmpreis. 2002 vertonte Gustavo Santaolalla Iñárritus Beitrag zum Episodenfilm 11'09"01 – September 11, in dem sich mehrere Regisseure aus verschiedenen Ländern mit dem Attentat auf die Türme des World Trade Centers in New York am 11. September 2001 auseinandersetzen. Erneut unter Iñárritu schrieb er die Musik zum Episodenfilm 21 Gramm mit Sean Penn, Naomi Watts und Benicio del Toro, bei der er schwerklingende elektronische Vibrato-Gitarren- und Bandoneonklänge mit elektronischer Musik und Schlagzeug verband. Für den Soundtrack zu dem auch das Kronos Quartet Stücke beisteuerte, wurde der Argentinier bei den World Soundtrack Awards 2004 als Entdeckung des Jahres geehrt. 2004 kreierte Santaolalla erneut einen facettenreichen Score zu Walter Salles Roadmovie Die Reise des jungen Che. Hier verlies sich der Komponist erneut auf die Gitarre als primäres Musikinstrument, sowie folkorientierten und elektronischen Klängen und gewann den Preis der argentinischen Filmkritiker und den britischen Filmpreis BAFTA.
Sein bisher größter Erfolg als Filmkomponist stellt seine aktuelle Arbeit an Ang Lees Drama Brokeback Mountain dar, zu dem er die am Country orientierte Filmmusik und die beiden Balladen "A Love That Will Never Grow Old" und "No One's Gonna Love You Like Me", interpretiert von Emmylou Harris bzw. Mary McBride, beisteuerte. Bei der Oscar-Verleihung 2006 konnte er sich in der Kategorie Beste Filmmusik gegen die Konkurrenz durchsetzen. Ferner gewann Santaolalla den Satellite Award für "A Love That Will Never Grow Old" gemeinsam mit dem englischen Lyriker Bernie Taupin. In der selben Kategorie konnte sich der Argentinier bei der Verleihung des Golden Globe 2006 behaupten und erhielt eine Nominierung in der Kategorie Beste Filmmusik. Im selben Jahr kreierte er auch die Filmmusik zu Niki Caros Drama Kaltes Land mit Charlize Theron und Frances McDormand. Santaolalla, der auch an den Soundtracks zu Miguel Artetas Star Maps (1997), Michael Manns Insider (1999) und dem Animationsfilm Shrek 2 (2004) mitwirkte, lebt in Los Angeles und ist Vater dreier Kinder.
Quelle: Wikipedia.de



