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Karikaturen zum Film

Annie Proulx - Star wider Willen

Interview mit Jake Gyllenhaal

Interview zu Brokeback Mountain

Die Bezeichnung, die man am häufigsten zu „Brokeback Mountain“ hört, ist „schwuler Western“. Regt Sie das nicht auf?

Jake Gyllenhaal: Das können eigentlich nur Leute sagen, die den Film noch nicht kennen. Für mich ist es ein bewegendes Drama über das Leben und die Liebe. Als ich vor Jahren mit meinem Vater über meinen Wunsch sprach, Schauspieler zu werden, sagte er mir, dass ein guter Film immer ein bisschen seiner Zeit voraus sein müsse. Die Aufgabe eines Schauspielers in solch einem Film sei es, das Bequeme in Frage zu stellen und den Abgelehnten Trost zu spenden. Die Worte meines Vaters haben mich damals so beeindruckt, dass ich das Angebot für „Brokeback Mountain“ sofort angenommen habe.
Trägt der Film nicht zu einer neuen Definition von Männlichkeit bei?
Gyllenhaal: Nun ja, die Frage, was männlich ist, beantwortet Hollywood am liebsten mit Klischees. Solche muskelbepackten Scheinvorbilder machen es für ganz normale Männer nicht einfach. Ich finde die sensible Seite der Männlichkeit am interessantesten. Männer sind mutig, wenn sie über ihre Gefühle reden können. Das ist auf jeden Fall mutiger, als sie zu verdrängen. Insofern trägt „Brokeback Mountain“ hoffentlich dazu bei, die Vorstellungen von Männlichkeit ein bisschen zu korrigieren.
War von Beginn an klar, dass Heath Ledger den Ennis spielen würde und Sie den Jack?
Gyllenhaal: Nein. Bei den wochenlangen Proben sollten wir immer beide Rollen vorspielen. Dabei wirkte Heath wilder, während ich mich eher an introvertierten Figuren orientierte, die ich zuvor gespielt hatte. Deshalb war Ang Lees Entscheidung, mir am Ende den offensiveren Part zu geben, schon eine Überraschung.
Für Ihre Rolle lernten Sie reiten und wie man ein Lasso wirft. Liegt Ihnen das Leben als Cowboy?
Gyllenhaal: Ich hatte beides zuvor noch nie getan, es machte aber überraschend viel Spaß. Am besten fand ich die Schafe. Überhaupt alle Tiere. Seit den Dreharbeiten kann ich mir vorstellen, später mal auf einem Bauernhof zu leben.
CINEMA Interview

Interview
"Immer ein leichtes Unwohlsein"
Sind Sie ein guter Koch? Ich hoffe, Sie können mehr als nur Bohnen zubereiten.
Gyllenhaal: Dieser Teil der Rolle ist sehr weit entfernt von mir. Ich liebe italienisches Essen und studiere leidenschaftlich gern Kochbücher. Einer meiner besten Freunde ist der Chefkoch im „Babo“, einem New Yorker Restaurant. Um ehrlich zu sein: Bohnen kann ich nicht ausstehen.
Es gibt eine Szene, in der Heath Ledger und Sie von einer Klippe springen. Wie oft wurde die gedreht?
Gyllenhaal: Also, ich sprang nicht wirklich. Heath sprang.
Weil Sie nicht nackt springen wollten?
Gyllenhaal: Damit hat das nichts zu tun. Ich wollte das Risiko vermeiden, mich bei einem Zwölf-Meter-Fall zu verletzen. Wenig später fand das Casting für „Jarhead“ statt. Ich wollte unbedingt in dem Film mitspielen und dies nicht gefährden. Sie können ruhig schreiben, dass ich ein Feigling bin! (lacht)
Ich muss die Frage stellen: Wie war es für Sie als Hetero, einen anderen Mann zu küssen?
Gyllenhaal: Das scheint ja wirklich interessant zu sein, weil das alle Journalisten wissen wollen. Hätte ich ihn stattdessen umgebracht, würde niemand fragen, wie sich das Töten eines anderen Mannes anfühlt. Ich möchte mal das Wort „abblätternd“ benutzen, um es zu beschreiben. Das war übrigens mit Mädchen, die ich vor der Kamera geküsst habe, genauso – egal, ob ich sie mochte oder nicht so attraktiv fand. Es ist immer ein leichtes Unwohlsein. Aber es gehört zum Job, also mache ich es.
War es möglich, beim Spielen Gefühle abzurufen, die Sie sonst nur für Mädchen empfinden?
Gyllenhaal: Ich mag Heath sehr gern, aber ihm mit Zärtlichkeit zu begegnen, ist etwas anderes. Zur Konzentration vor solchen Szenen, morgens beim Make-up, wollte ich allein sein. Wäre Heath da reingeplatzt, hätte ich genervt reagiert und das Gefühl in unsere Szene übertragen.
Wie steht es mit Ihrem privaten Beziehungsleben? Haben Sie die große Liebe schon gefunden?
Gyllenhaal: Nein, aber das muss ja auch noch nicht sein. Ich bin jetzt 25 und sammle Erfahrungen. Ich finde es seltsam, wenn junge Kollegen in Interviews über Liebe reden. So bekommen die Leute bloß falsche Vorstellungen davon. In meinem Alter kann man nur sagen, ob man gerade verliebt ist oder nicht. Das hat mit Liebe nichts zu tun. Liebe ist, wenn man gemeinsam längere Krisen übersteht und dann immer noch Interesse aneinander hat. Meine Eltern könnten davon erzählen, aber die stehen nicht im Licht der Öffentlichkeit.
CINEMA Interview

www.mopo.de - Artikel vom 09.03.2006
»Man sollte immer alles Mögliche ausprobieren«
GEORG VON GROTE
Mit "Brokeback Mountain" beweist Jake Gyllenhaal ("The Day After Tomorrow") eine Wandlungsfähigkeit, die darauf schließen lässt, dass ihm eine große Zukunft bevorsteht.
plan7: Haben Sie gedacht, dass der Film ein derart positives Echo bekommen würde?
Gyllenhaal: Na ja, damit gerechnet habe ich nicht. Aber ich war überzeugt von dem Drehbuch. Und ich war mir absolut sicher, dass dieses Projekt bei Ang Lee in den besten Händen sein würde. Tatsächlich zugestimmt habe ich allerdings erst, als klar war, dass er auch die Regie übernimmt.
plan7: Vor ein paar Jahren wäre eine solche Rolle noch Gift für eine Hollywood-Karriere gewesen.
Gyllenhaal: Die Frage habe ich mir nie gestellt. Mir war von Anfang an klar, dass dieser Film etwas Besonderes ist, und deshalb habe ich mich nicht darum gekümmert, wie man in Hollywood wohl darauf reagieren würde. Viel wichtiger war mir, dass er sehr gut gemacht und dabei absolut ehrlich ist.
plan7: Es ist also heutzutage kein großes Risiko mehr, eine Figur zu spielen, die aneckt?
Gyllenhaal: Das kann ich so nicht beantworten. Aber ist heute nicht alles irgendwie riskant? Das Leben ist viel zu kurz, und deshalb sollte man immer alles Mögliche ausprobieren. Für meine Entscheidung war wichtig, dass mich die Geschichte dieser beiden Männer sehr berührt hat. Mein Instinkt sagte mir, dass ich die Rolle spielen muss. Und ich vertraue immer meinem Instinkt.
plan7: In der Schwulenszene sollen Sie ja jetzt als sehr süßes Kerlchen gelten ...
Gyllenhaal: Das weiß ich nicht. Aber wenn es so sein sollte, sehe ich das als Kompliment für meine schauspielerische Leistung. Ich mache keine Filme, um irgendjemandem zu gefallen, sondern weil ich die Geschichte und die Figur mag. Dann ist es mir auch egal, ob ich beim Dreh mehr oder weniger angezogen bin. Wenn später jemand an mich herantritt und sagt, dass ihm die eine oder andere Sequenz gut gefallen hat, dann schmeichelt das einem Schauspieler natürlich auch.
plan7: Was sagen denn Ihre Eltern zu "Brokeback Mountain"? Ihr Vater ist ja Regisseur, Ihre Mutter Drehbuchautorin.
Gyllenhaal: Die Reaktion hat mich völlig überrascht. Meine Mutter hat herzerweichend geschluchzt. Mein Vater hatte Tränen in den Augen und ist im Waschraum verschwunden. Meine Familie hat mich sehr unterstützt. Sie hat mir immer Mut gemacht und mich auf meinem Weg bestärkt, ohne mir Vorschriften zu machen. Aber diese Reaktionen waren dann schon etwas Besonderes. Sie zeigten mir, dass es richtig war, diese Figur zu spielen.

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Keine Angst vor dem Gerede

Von Markus Tschiedert

Weichling oder harter Kerl? Der Schauspieler Jake Gyllenhaal kann beides ausdrücken. Allein schon der melancholische Blick verrät etwas von seiner Sensibilität. Mit dem ist Gyllenhaal nun quasi über Nacht zum Aushängeschild der Schwulenszene geworden: In Ang Lees Film "Brokeback Mountain" (ab 9. März in den deutschen Kinos) spielt er einen Cowboy, der leidenschaftliche Gefühle für einen anderen Mann (Heath Ledger) entwickelt. Soeben gewann dieser etwas andere Western vier Golden Globes. "Ich hatte nie Zweifel, diese Rolle anzunehmen", erzählt Jake Gyllenhaal. "Es ist mal eine ganz andere Lovestory. Nicht das Geschwafel von ewiger Liebe. Sondern es geht um den inneren Kampf, wenn man zu seiner Liebe aus gesellschaftlichen Gründen nicht stehen kann."
Gyllenhaal, der bis vor kurzem noch mit der Schauspielerin Kirsten Dunst ("Spiderman") liiert war, stellt sich damit einem heiklen Thema. Gerade in den USA ist Homosexualität noch immer keine Selbstverständlichkeit - auch nicht im Kino.
"Es heißt, Liebe sei universell und kenne keine Grenzen", sagt Gyllenhaal. "Wenn dem so ist, dann sollte man Lesben und Schwulen verdammt noch mal erlauben, daß sie heiraten dürfen. Das mag manche Leute verärgern, besonders in Amerika. Mich ärgert es wiederum, daß die sich darüber aufregen."
Daß er auch ganz andere Rollen bewältigt, beweist er gerade in Ang Lees Antikriegsfilm "Jarhead": Dort erlebt man den 25jährigen Newcomer als stolzen Marine-Soldaten im ersten Golfkrieg , wie er fieberhaft seinem ersten Kampfeinsatz entgegenblickt - aber dann ist statt der ersehnten Bewährung nur Warten in der Wüstensonne angesagt. "Es ist das erste Mal", sagt Jake Gyllenhaal, "daß ich einen Soldaten spielte. Anfangs hatte ich Vorurteile, aber durch das harte Training war ich fasziniert von der Tatsache, daß unser Körper mehr vollbringen kann, als es unser Geist glauben läßt. Ich fühlte mich danach richtig stark, ja sogar sexy."
Das werden ihm seine Fans sicherlich gern bescheinigen - nicht nur die weiblichen, sondern auch der wachsende Kreis männlicher Verehrer.
Daß er sich mit "Brokeback Mountain" der Gefahr aussetzt, selbst als "Schwuchtel" beschimpft zu werden, stört den Schauspieler nicht, der durch den Fantasy-Thriller "Donnie Darko" und Roland Emmerichs Science-Fiction-Film "The Day After Tomorrow" zum Star wurde. "Ich sage jedem, der mich beleidigen will, er solle sich erst einmal Brokeback Mountain ansehen, bevor er mich verurteilt." Das Thema regt Gyllenhaal auf. Vorurteile und Ungerechtigkeiten sind ihm zuwider. Es sei, deutet er an, stets die "menschliche Komponente", die ihn an einer Rolle interessiere. Und Schauspieler, die verschiedene Männertypen überzeugend verkörpern können, sind heute gefragter denn je.
erschienen am 21. Januar 2006/ Hamburger Abendblatt

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